Freitag, Oktober 27, 2006

pardon, dü fronsose!

sandy beatle meint, nein, sie habe sich nicht für mich geschämt. nicht einmal peinlich wär ich ihr gewesen. ob das jetzt etwas positives sein soll – ich weiß es nicht. vermutlich kennt sie mich einfach schon sehr gut. und hat sich mit mir abgefunden.

herr esteban und seine holde – miguela, die getreue des comandante – haben nämlich in die wg gebeten, die zwar schon ganz wien kannte, ich und der ebenfalls mit seiner liebsten eingeladene purkus, die alten, vergessenen schulkollegen von gleich nach dem krieg aber noch nicht. esteban, du musst uns einladen, hab ich gesagt. aus völlig freien stücken hat er das ein paar wochen später also auch getan, und das wiedersehn war dann auch ziemlich hollatarö. der schnaps, sie verstehen.


wenn esteban, der sich ähnlich wie kollege herold dem aussehen eines kurz vor der pensionierung stehenden russischen seemannes langsam, aber sicher annähert, mit seiner erlesenen auswahl an destillierten köstlichkeiten daherkommt, kann ich einmal im jahr den passionierten nicht-schnaps-trinker in mir ruhigen gewissens schlafen schicken.

warum ich an diesem abend aber nur mehr mit französischem akzent gesprochen habe („ouiouioui, diese `ier ist köstlisch, öllala!!), wer bitte will es mir erklären? jedenfalls war das gar nicht auf estebans französischen wg-kollegen bezogen, der sich vermutlich etwas angepöbelt fühlte (sörri!! entschüldige misch, mein libbör, isch war nischt gons isch selbst!). ob ich denn überhaupt französisch sprechen könne, wollte er wissen: „natürlisch!“, hab ich ihm geantwortet, „würdest dü misch sönst verschdähän?“

dass das jetzt ihre große chance wäre, dachte sandy beatle, als sie am nächsten morgen meine frage, wie wir denn bitteschön das taxi bezahlt haben, mit einem schlichten „geteilt“ beantwortete. „ich hab dem taxler 10 euronen gegeben, und du drei“, sag ich, und entblöße meine frage als fangfrage. weil ich, verstehst du, vergesse NIEMALS etwas! hrmpf.

Dienstag, Oktober 10, 2006

Erwachsen durch die Jugend

Finn Andrews kommt mit seiner Band The Veils ins Wiener Flex.

Wien. Am Ende steht das Rauschen des Aufnahmegeräts. Finn Andrews, der als Sohn des XTC-Keyboarders Barry Andrews genetisch begünstigte Kopf der erst zwei Alben jungen Band The Veils, lässt die im September erschienene Arbeit "Nux Vomica" in einen kalmierenden Höhepunkt münden: Es braucht nicht mehr als den brüchig greinenden Gesang des jungen Mannes ("I wish you could see this, mama!"), ein paar Akkorde auf der akustischen Gitarre und ein leicht semmeltrenzerisches Akkordeon, um den Hörer in eine Welt der sanften Schwermut zu entführen.

Andrews definiert sein künstlerisches Selbstverständnis ganz offensichtlich über die großen Songwriter. Seine Kunst steht einem Nick Cave dabei näher als jüngeren Kollegen wie Travis oder Starsailor, mit denen sein Debüt "The Run away Found" 2004 noch verglichen wurde.

Finn Andrews ist 23 Jahre alt. Die Pubertät hat sein Schaffen nie durchwandert – und schon heute kann es nicht mehr erwachsener werden. Man vernimmt in "Jesus For The Jugular" einen auch mit Neil Young konform gehend rauen, von Produzent Nick Launay verantworteten Sound, der nicht zufällig auch an jenen des Cave-Albums "Abattoir-Blues" erinnert. Man frohlockt zu verspielten, akut lebensbejahenden Melodiebögen, die ihrerseits wiederum einem Badly Drawn Boy recht nahe stehen.
Hoch und Tief, Depression und Manie: Andrews schlendert und schlurft durch den Irrgarten der Empfindungen, und er beherrscht jede Lebenslage im gleichen, hohen Maße.

Diamant mit Kanten

Der 1983 in Großbritannien geborene und später als Scheidungskind in Neuseeland aufgewachsene Musiker schleift auf "Nux Vomica" kleine Diamanten, indem er seinem auch auf dem Erstling schon tollen, aber bisweilen unter der recht gewöhnlichen Deutung als Gitarrenpop leidenden Songwriting mit neuer Bandbesetzung die nötigen Ecken und Kanten verleiht – ohne aber auf die obligatorisch aus allen Tönen quellenden Harmonien zu verzichten.

Die Liebe zum Detail sowie eine beeindruckende Sensibilität für Stimmungen verleihen den Liedern hier ihr "Mehr". Und adeln Andrews zu einem der spärlichen Hoffnungsträger seiner Generation. Man wird – so viel steht fest – noch von ihm hören.

(Wiener Zeitung, 11.10.2006)