Donnerstag, Dezember 20, 2007

Wuchteln im Glitzertanga

Bescherung "auf lässig": "Die Supernacht der Weihnachtsstars" im Rabenhof Theater.

Schon der Titel macht Angst, geht doch heute die "Supernacht der Weihnachtsstars" über die Bühne. Wer ähnlich klingende Veranstaltungen wie etwa die im oberösterreichischen Vöcklabruck ausgetragene "Starweihnacht" mit sich bei Dauerlächeln wieder einmal um die der Jahreszeit entsprechende Besinnlichkeit bemühenden Stars der sogenannten volkstümlichen Musik kennt, darf jetzt ruhig zur Panikattacke ansetzen.

Immerhin hilft gegen eine solche der Umstand, dass die im Wiener Rabenhof zwischen fixem Konzept und freier Improvisation wankelmütigen Kabarettisten Gerald Votava, Clemens Haipl, Martin Puntigam und Hosea Ratschiller sowie der Schauspieler Michael Ostrowski ("Nacktschnecken") als "Humorkapazunder" vor allem – und (fast) ohne Schlager! – über das Fest der Liebe kalauern, besser als jeder Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Humor ist nicht nur, wenn man trotzdem lacht. Man kann dafür auch gute Gründe haben!

Diese liegen etwa darin begraben, dass ein Ehemann den Heiligen Abend ausgerechnet mit seiner Frau und seiner Geliebten, Swinger-Club-Besitzerin Jessica, zubringt. Als Überraschung für seinen Sohn wurde Johnny Depp zur Bescherung geladen, der dann leider, leider doch nicht kommen konnte. Und weil Ersatzmann Franz Antel den Löffel abgegeben hat, muss David Hasseldepp, äh, Deppenhoff, äh, Hasselhoff, sakra, herhalten.

Für 500 Euro und Rotwein in Strömen fährt dieser mit Kumpel K.I.T.T. zwar nach Wien, gibt sich ansonsten aber maulfaul. Zumindest, bis ihm das "Familienoberhaupt" ("Ei äm se headquarter of sis family!") auf gut wienerisch die Wadln nach vorne richtet. Nach der Interpretation aus dem Wurlitzer von seinerzeit noch bestens in Erinnerung behaltener Hasselhoff-Klassiker wie „Do The Limbo Dance“ oder dem in ein skurriles Freiheits-Manifest ausufernden "Looking For Freedom" sowie einer launigen Lesung aus seiner Autobiografie haben den Schauspieler nicht nur alle wieder lieb.

Die liebe Familie kann dem heute mit Glitzertanga, Brusthaar und Goldkette im Zuhälter-Look wieder als Rettungsschwimmer verkleideten Star jetzt auch persönliche Fragen stellen, wie jene nach der medialen Darstellung seiner Person als "versoffener Hurenbock und ignorante Drecksau". Und: "Wie geht’s einem da??"

Vor allem im zweiten Teil gestaltet sich der Abend als zum Niederknien komische, frei von der Leber gefaselte Abhandlung von nichts und allem. Von der freilich streng philosophischen Frage, ob Benni Raich der neue Hermann Maier sei, ist es zur Tierkommunikation spätestens dann nicht mehr weit. Fast wie im Club 2 – nur weit unterhaltsamer!

Mittwoch, Dezember 05, 2007

Harmonien mit Helium

Pop und gepflegtes Spinnertum: Dan Deacon beehrt Wien.

Wien. Schabernack muss sein. Deshalb klingen die Stimmen hier nicht selten, als hätten sich die Entenhausener Jungmänner Tick, Trick und Track auf dem Rummelplatz mit einer Hand voll Helium-Ballons eingedeckt, um damit frisch kastrierte Pudel beim Erwachen im Hundekörbchen nachzuahmen. Das tut zwar ziemlich weh – hört sich aber irgendwie auch total niedlich an!

Das hämische Gelächter des beliebten Helmspechts Woody Woodpecker darf dabei nicht fehlen. Fröhliche Sing-Along-Chöre fallen ein, um von Gold speienden Brunnen, einer aus Ziegen, Katzen, Schweinen und Fledermäusen bestehenden Band und dem hoffentlich baldigen Niedergang der Erde zu künden. Kinderliedartige Melodien gehen zu Herzen. Harmonien an allen Ecken und Enden.

Game-Boy-Ästhetik

Kurzum: Närrischer Pop, der sich aus dem Fundus der Weirdo-Elektronik zwischen Game-Boy-Ästhetik, Knöpferldreherei und Laptop-Mucke speist, findet unter dem Zutun eines aus dem Nähkästchen des Spinnertums plaudernden Alleinunterhalters zu seiner Hochform. Das muss man gehört haben!

Mit "Spiderman Of The Rings", seiner ersten international vertriebenen Arbeit, liefert der aus Baltimore stammende, studierte Elektro-Akustiker Dan Deacon somit vor allem ein Lehrstück in Vergnüglichkeit.

Der Mann mit der Vorliebe für überdimensionierte Brillen aus Großvaters Zeiten schlägt darauf eine Brücke zwischen feinfühlig arrangierten Instrumentaltracks, deren Harmonieseligkeit mitunter an den heimischen Elektroniker Bernhard Fleischmann denken lässt, und dem durchgeknallten Freak-Pop etwa von DAT Politics aus Frankreich ("Wow Twist").

Alles dada!

Dazu setzt es Texte, derer sich Deacon bei Jam-Sessions im Heimstudio – auf Kosten möglicher Inhalte – alleine in Hinblick auf ihre phonetische Wirkung entledigt. Ausnahmen bestätigen die Regel. "Wham City", mit einer Spielzeit von knapp zwölf Minuten auch kein Lercherl, versteht sich als Ode auf die gleichnamige Wahlheimat des heute 26-Jährigen, zumindest irgendwie. Auch in dieser Hinsicht: Alles dada!

"Dada" ist auch für die Auftritte des US-Musikers ein gutes Stichwort. Ein Konzert sollte man sich jedenfalls nicht erwarten. Eher eine Performance mit selbst gebastelter Bühnenbeleuchtung und launigen Zoten. Ein feiner Abend steht ins Haus!

(Wiener Zeitung, 6.12.2007)