An der Speerspitze einer der guten alten Opulenz frönenden Bewegung – die sich auf unterschiedlichen Baustellen zwischen dem Bombast-Rock von And You Will Know Us By The Trail Of Dead bis hin zum epischen Breitwand-Metal von Tool festmachen lässt – steht seit 2001 das aus der texanischen Post-Hardcore-Band At The Drive-In hervorgegangene Kollektiv The Mars Volta.
Hier ist Geiz nicht geil. Es wird bewusst schlecht gewirtschaftet, verschwendet, verschüttet, geklotzt und nicht gekleckert. Am Mittwoch werden wir in der großen Halle der Wiener Arena also auch live Zeuge einer Mucke ohne Maß und Ziel. Die auf Platte ausschweifend zwischen einer Art Prog-Rock mit funkinfizierten Metalriffs auch in Richtung Jazz und Salsa schielenden Songs erhalten dabei in gut zwanzigminütigen Orgien noch mehr Auslauf und Freiraum; es gilt, selbst Superlative zu überhöhen.
Keine Frage, dass wir es zwischen dauersolierendem Saxofon und Omar Rodríguez-López als nicht nur optisch an Jimi Hendrix erinnerndem Guitarrero, vertrackten Rhythmen, beständigen Taktwechseln, Stop and Go, Laut und Luise, freier Improvisation und Cedrix Bixler-Zavala als singender Katze mit Free-Jazz 2.0. als Leistungsschau gut im Saft stehender, kreativ-rabiater Virtuosen zu tun haben.
Kurz: Das Konzert klingt, wie Bixler-Zavalas Performance bisweilen aussieht. Wie ein immer nie enden wollender epileptischer Anfall der Marke ganz schlimm. Allerdings ist des einen "ambitioniert" des anderen "überkandidelt". Und diese Band wie der letzte Schnaps, der sich am Morgen danach als – mindestens – der eine zu viel erweist.
(Wiener Zeitung, 25.7.2008)

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