Als er am Freitag aber im Rollstuhl auf die Bühne im Arkadenhof des Wiener Rathaus gefahren wurde, vermischte sich im Publikum Vorfreude mit Bestürzung. Zumindest bis das Licht anging und Burke von seinem majestätischen Thron herab mit "Like A Fire" gleich eines klar stellte: Dass es noch immer in ihm lodert. Und dass Musik als heilende Kraft auch den Gebrochensten unter uns wieder unkaputtbar machen kann – zumindest ein Stück weit. Wie der 68-Jährige mit seiner Band das Auditorium gleich hier in den Bann zog, sprach Bände. Es sollte nichts weniger folgen als eine zweistündige Soulmesse, während der Burke Auszüge aus seinem geschätzten Spätwerk bot und reichlich Hits abfeuerte.
Wir hörten also berührenden Soul für die einsamsten Barhocker der Welt, zum Kuscheln ladende Lieder für Liebende wie "Beautiful Brown Eyes" oder "I Can’t Stop Loving You" sowie Ton gewordene Überzeugungsarbeit dafür, dass Country und Soul doch bitte häufiger miteinander sollten – "That's How I Got To Memphis" und das bewegende "‘Til I Get It Right" aus Burkes "Nashville"-Album traten dafür ein.
Alten Soulhelden huldigte Burke mit einem Medley aus "(Sittin’ On) The Dock Of The Bay", "Mustang Sally" und "Stand By Me", eine Ehrerweisung an den Rock ’n’ Roll setzte es mit Little Richards "Tutti Frutti". Auch Burkes bekannteste Eigenkomposition, "Everybody Needs Somebody To Love" durfte nicht fehlen.
Burke übrigens über die Tatsache, Vater von 21 Kindern zu sein: "That’s what got me into this chair!" Eine Warnung an alle, die seine Musik im Schlafzimmer konsumieren?
(Wiener Zeitung, 15.7.2008)

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