Donnerstag, Juli 24, 2008

Nuke: Zwischen Himmel und Halle

Das Nuke-Festival lockt für zwei Tage auf das VAZ-Gelände in St. Pölten – 30.000 Besucher werden erwartet

Wien/St. Pölten. Das Nuke-Festival darf als Konstante im heimischen Festivalzirkus bezeichnet werden, am Freitag wird die bereits achte Saison eingeläutet. Nach unterschiedlichen Austragungsorten in den Anfangsjahren – vom Atomkraftwerk Zwentendorf über Hofstetten-Grünau im Pielachtal – fand das Festival 2006 in St. Pölten seine Heimat.

Dem Gelände des hiesigen "VAZ" mag es an Charme fehlen, dafür aber verfügt es über andere Vorteile. Zum einen steht es nicht inmitten der Pampa, sondern am Rande einer zumindest irgendwie als städtisch zu bezeichnenden Umgebung, die Erreichbarkeit ist exzellent. Zum anderen wird hier nicht nur an der frischen Luft konzertiert, die als "Moon-Stage" bezeichnete Halle bietet wahlweise Schutz vor Sonnenstich oder Regenmassen.

Das Programm wirkt heuer vor allem in Hinsicht auf das Frequency-Festival eher entschlackt. Immerhin wird im August am Salzburgring sowohl in Hinsicht auf Qualität wie Quantität reichlich geboten – dazu demnächst mehr.

Am Nuke selbst werden laut Veranstalter an zwei Tagen etwa 30.000 Besucher erwartet, als massentaugliches Zugpferd konnte Lenny Kravitz – genau, der! – gewonnen werden. Der 44-jährige US-Amerikaner wird sein aktuelles Album "It’s Time For A Love Revolution" erstmals live in Österreich vorstellen. Das Mädchen in uns hüpft schon vor Vorfreude!

Ein tatsächlicher Höhepunkt könnte der Auftritt des britischen Zweispänners The Chemical Brothers um Tom Rowlands und Ed Simons werden, auch wenn man dabei nicht unbedingt von einem Konzert ausgehen sollte. Hier wird von der Kanzel herab zu vorgefertigten Tracks an den Knöpfen gedreht, mit dazu kredenzten Visuals ein hochästhetisches Manifest der elektronischen Tanzmusik gereicht.

Benutzerfreundlicher TripHop wird von Morcheeba beigesteuert, im gleichen Genre entführen Nightmares On Wax "In A Space Outta Sound". Elektronisches Songwriting mit reichlich Funk und Soul präsentieren die Stereo MCs, und dass beseelte Elektronik auch in Österreich produziert wird, darf Rodney Hunter samt Band unter Beweis stellen. Weiters dabei: Orishas, Fettes Brot, Söhne Mannheims, Clueso, Gentleman und andere.

(Wiener Zeitung, 17.7.2008)

Keine Kommentare: