Konkret: Smith mag gemeinsam mit mehr als 30 ehemaligen Bandmitgliedern auf beachtlichen 27 (!) Studioalben stilistisch einiges ausprobiert haben. Vom grob geholzten, ungeschliffenen Post-Punk – Codename: vorwärts –, der ebenso atonal wie auch melodieselig ausfallen konnte und später auch schon einmal um übersteuerte Krawallelektronik erweitert wurde, ging es über Ausflüge in Richtung Funk, Blues und Rockabilly weiter in Richtung Culture-Clash.
Der führt auf "Imperial Wax Solvent", der aktuellen Arbeit der zurzeit als Quintett aktiven Band, vom eklektizistisch mit Kontrabass eingespielten "Alton Towers" hin zum gar nicht altersmilden und augenzwinkernd autobiografisch eingefärbten "50 Year Old Man" nur über den Umweg eines sturen Technobeats ("Taurig"): Alles ist möglich. Stillstand ist der Tod.
Allerdings blieben The Fall bei jeder Adaptierung ihres Sounds auch immer eindeutig und unverkennbar The Fall. Smiths enigmatische, schlecht gelaunt hingeraunzten Texte zeitigten zu gern schlampig gespielten E-Gitarren überwiegend treibende Songs, die vor allem auf die Kraft der Repetition vertrauten. Frei nach Attwenger: Es gibt Wiederholungen.
Dabei ist Smith, der heuer mit "Renegade: The Lives and Tales of Mark E. Smith" seine Memoiren veröffentlichte, als von kommerziellem Erfolg unbedankte, seit 30 Jahren kompromisslos arbeitende Rock-Zentralfigur, so etwas wie eine tatsächlich authentische Ausnahmeerscheinung in einer zunehmend angepassten Popkultur. Junge Menschen können hier noch etwas lernen! Live am Freitag im Rahmen der "faq"-Launchparty in der Wiener Arena.
(Wiener Zeitung, 19.11.2008)

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