Was ist, wenn nichts mehr ist? Niemand weiß es, aber: Die Idee der Apokalypse gebiert seit jeher Monster. Und sie beliefert die Welt der Kunst mit dem Bauholz für die Church Of Fear.
Von diesem nimmt nicht zuletzt das Hollywood-Kino gern und reichlich. An welchem Thema ließen sich Fortschritte in der Entwicklung von Special-Effects auch besser demonstrieren? Als fleißiger Arbeiter im Fach der Katastrophen- und Endzeitfilme wird diesbezüglich gerne Roland Emmerich genannt. Während der deutsche Regisseur in seinem Blockbuster "Independence Day" Mutter Erde noch mit Gefahren von Outer-Space konfrontierte, näherte er sich mit "The Day After Tomorrow" vor dem Hintergrund des Klimawandels – verhältnismäßig – realistischeren Szenarien an. Ein ähnliches Topos bildet auch die Grundlage für Emmerichs neuestes Filmprojekt, das derzeit mit John Cusack in der Hauptrolle realisiert wird. "2012" zieht das Ende des Maya-Kalenders in vier Jahren heran, um den Weltuntergang mit gewohnt drastischer Bilderflut neu zu zeichnen.
Subtiler arbeitete Michael Haneke, dessen Film "Wolfzeit" die Auswirkungen einer Katastrophe auf das (westliche) Gesellschaftsgefüge beleuchtete, ohne auch nur ein Bild der nämlichen zu zeichnen – oder darüber zu informieren, was hier vorgegangen sein mag. Eine Methode, auf die auch der US-amerikanische Schriftsteller Cormac McCarthy in seinem Roman "Die Straße" zurückgriff. Darin ziehen ein Vater und sein kleiner Sohn durch ein postapokalyptisches Amerika, auf dessen von Asche bedecktem Boden schon lange nichts mehr gedeiht. Die Infrastruktur liegt danieder, Kannibalismus hält Einzug. Die Leere einer aus den Fugen geratenen Welt unterstreicht McCarthy mit Ereignislosigkeit; Nahrungssuche und die Angst vor dem Winter bestimmen den Alltag. Die Spannung, die der Autor dabei aufrechterhält, ist erdrückend.
2008 wurde der Roman, für den McCarthy 2007 den Pulitzer-Preis erhielt, verfilmt – derzeit befindet sich der Streifen in Post-Produktion. Als Hauptdarsteller werden Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee aufgeführt. Regie führte John Hillcoat, den man vor allem als Gestalter von Musikvideos kennt. Als Spielfilmregisseur arbeitet Hillcoat regelmäßig mit Nick Cave zusammen, der auch diesmal den Soundtrack beisteuert. Das Budget blieb mit 30 Millionen US-Dollar bescheiden. Zum Vergleich: Emmerich stehen für "2012" kolportierte 200 Millionen zur Verfügung.
(Wiener Zeitung/Pausenfoyer. 8.1.2009)
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