Donnerstag, Februar 05, 2009

Entdecke den Bayern in dir

Spätestens seit seiner Sketch-Reihe "Fast wia im richtigen Leben", die der Bayerische Rundfunk ab 1979 ausstrahlte, gilt Gerhard Polt als genauer Beobachter, genialer Analytiker und schonungsloser "Aufblattler" der bayerischen Volksseele. Seine Figuren – vom in der Schickeria Monacos gut aufgehobenen Schnösel bis hin zum stramm rechten Stammtischfaschisten – mögen erst einmal reden, ohne etwas zu sagen. Bis – "und jetzt pass’ Obacht" –, die Meinung doch noch mit ihnen durchgeht: Sein "eindeutiges, klares Ja zum Nein zu Europa" bekundet Polts Hobby-Historiker, um sich anschließend in einen herrlich absurden Monolog über die europäische Geschichte zu stürzen, an dessen Ende eine Erkenntnis lauert: "Ich hab ja lange nicht gewusst, wie weit Geschichte zurückgeht!"

Zum am Samstag und Sonntag im ausverkauften Burgtheater gefeierten, 30. Bühnenjubiläum von Gerhard Polt und der Biermösl Blosn um die Brüder Hans, Michael und Christoph Well, hagelt es diese und andere, überwiegend bekannte Nummern im gewohnt grantigen Vortragsstil des heute 66-Jährigen auf Bairisch für Fortgeschrittene. Polt seziert als Bürgermeister von Bad Hausen sowohl den Blödsprech der Politik als jenen der Tourismusbranche und weiß als Bürgersfrau von einem "Culinaric Adventure Trip" zu den "Men- und Womeneaters" drunten in Australien zu erzählen, bei dem neben Termiten-Ravioli auch der eine oder andere Blauhelm auf dem Speiseplan steht. Menschenfleisch mag ja leicht nach Hendl schmecken, "oba i muass‘ ned jeden Tag hom".

Dazu kredenzt die Biermösl Blosn mit spielerischem Aberwitz und einer Lawine an Instrumenten bis hin zu Drehleier, Dudelsack oder einer zur Rhythmisierung gewetzten Sense rotzfreche Gstanzln und andere Abgesänge, wie etwa ein bayerisch-lateinisches Kirchenlied über die Weltwirtschaftskrise oder vertonte Bauernregeln der etwas anderen Art.

Danach: Entdecke den Bayern in dir! Schnell in d‘ Wirtschaft auf zehn Maß Bier! Weil, nach Gerhard Polt: "Wos soll i mir a Diabetes herfressen, wo i’s ma a hersaffa ko?"

(Wiener Zeitung, 3.2.2009)

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