Man muss sich Liam Gallagher als jemanden vorstellen, der nicht nur davon überzeugt ist, dicke Eier zu haben. Auch weiß der Sänger von Oasis schon immer, dass er, gemeinsam mit seinem Bruder Noel, nichts weniger bildet als die beste Band der Welt. Ein Blick in die Archive spricht diesbezüglich Bände.
Diese von der Aura absoluter Egomanie bestimmte Bühnenpräsenz mag sich zwar auch am Donnerstag in der mit 10 000 Besuchern gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Wiener Stadthalle über weite Strecken behaupten. Man muss das als Nachwirkung einer Zeit verstehen, in der die Working-Class-Boys aus Manchester durch zentrale Alben wie „Definitely Maybe“ und „(What’s The Story) Morning Glory?“ zu gefeierten Rockstars wurden, um sich im Folgenden die ganze Abbey Road ins Resthirn zu ziehen: Die Nase hoch! Dazwischen aber – und das hätte es früher nicht gegeben – setzt es zwei, drei gar nicht einmal unfreundliche Worte ans Publikum, und am Ende anerkennenden Applaus für die freundliche Reaktion des Nämlichen.
Das ist neu, der gesamte Rest des Abends bleibt sattsam bekannt: Oasis spielen die gleichen Songs wie bei all ihren aktuellen Konzerten, und das in der gleichen Reihefolge. Routine verpflichtet.
Und sie reihen nach dem einläutenden „Fuckin’ In The Bushes“ vom Band wie gewohnt Hit an Hit, Weltscheibe an Weltscheibe. Unterbrochen von einer guten Handvoll Songs aus ihrem aktuellen Album „Dig Out Your Soul“ – darunter das an frühere Großtaten anschließende „The Shock Of The Lightning“, das mit sanft psychedelischem Einschlag mächtig groovende „To Be Where There’s Life“ oder „I’m Outta Time“ aus dem Balladenfach – ergibt das eine namhafte Liste von „Cigarettes & Alcohol“, „Slide Away“, dem obligatorischen „Wonderwall“, „Roll With It“ bis hin zu „Songbird“, „Lyla“ oder „The Importance Of Being Idle“.
Gute Songs aber garantieren noch kein gutes Konzert. Ein bisschen mehr als lässig abgespulter Dienst nach Vorschrift hätte es schon sein dürfen. But don’t look back in anger!
(Wiener Zeitung, 28.2.2009)
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