Mittwoch, Dezember 30, 2009

Best Of 2009

Hochgradig subjektiv, unkommentiert und in aller Kürze



1. Bill Callahan: Sometimes I Wish We Were An Eagle

2. Scott Matthew: There Is An Ocean That Divides . . .

3. Soap & Skin: Lovetune For Vacuum

4. Peaches: I Feel Cream

5. Jeremy Jay: Slow Dance

6. Animal Collective: Merriweather Post Pavilion

7. Jochen Distelmeyer: Heavy

8. Grizzly Bear: Veckatimest

9. Jay-Jay Johanson: Self Portrait

10. Fever Ray: Fever Ray

Ein Mehrwert namens "live"

Der Live-Sektor boomt: Auch im kommenden Jahr gastieren große Namen und alte Helden in Wien

Wien. Während die Musikindustrie von einstigen Absatzzahlen aus dem Tonträgerverkauf nur noch träumen kann, erweist sich die auch daraus resultierende Hinwendung zum Live-Sektor als für alle Beteiligten lohnend: Industrie und Künstler behalten und erweitern eine solide Einnahmequelle, Fans bekommen ihre Helden öfter zu Gesicht, und auch die Wirtschaft schneidet kräftig mit.

Stichwort: Umwegrentabilität. Denn Großereignisse in der Stadthalle oder im Ernst-Happel-Stadion ziehen sowohl Gäste aus den Bundesländern als auch aus dem benachbarten Ausland an. Busunternehmen, Bundesbahnen oder die Hotellerie bedanken sich – und dank Bierpreisen von gut und gerne 3,80 Euro auch die Gastronomie vor Ort.

Dabei scheint auch die zunehmend unverschämte Preispolitik bei den Tickets nicht weiter ins Gewicht zu fallen. Die 55.000 Karten für das Konzert der australischen Hardrock-Veteranen AC/DC im Mai dieses Jahres waren trotz regulärer Vorverkaufspreise von 80 Euro aufwärts binnen Minuten ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt wurden Tickets um ein Vielfaches davon gehandelt – und dass sich auch eingedenk des Merchandising-Angebots im Stadion pro Besucher einiges zusammenläppert, sollte sich von selbst verstehen.

Während Österreich bis in die 90er Jahre als Spielort gerne vernachlässigt wurde, gilt heute zumindest Wien auf den Tourneeplänen der meisten "Acts" als Fixplatz. Das bedeutet auch hierzulande, dass der Musikkonsum vom wiederholbaren Ritual im stillen Kämmerchen hin zum einmaligen und im besten Falle unberechenbaren Ereignis mutiert. Es geht um das leidenschaftliche Feiern und Erleben eines flüchtigen Moments mit Gleichgesinnten. Und wer sich die Erinnerung daran nicht aus dem Gedächtnis oder mittels Live-DVDs und schlechter Bootlegs behalten will, dem spielen Unternehmen wie Live Here Now zu: Der britische Konzern zeichnet einen jeden Tour-Auftritt seiner Künstler auf, um den Fans für alle Zeiten ein Andenken an "ihr" Konzert zu bieten.

Auch 2010 kommen große Namen und alte Helden nach Österreich. Und wenn diese, wie im Fall von Michael Jackson, bereits tot sind, wird das Publikum anderweitig beglückt: So versteht sich "Thriller – live" (19. bis 31. Jänner, Wiener Stadthalle) als Musik- und Tanzshow, die nun im seligen Angedenken an den verstorbenen King Of Pop fortgeführt wird. Im selben Monat gastieren Ian Brown (21., Arena) oder etwa Amanda Palmer von den Dresden Dolls (31., Arena) in Wien.

Das FM4-Geburtstagsfest (23., ebenda) bringt neben alten Bekannten wie Die Sterne oder Bauchklang auch die wunderbaren Ezra Furman & The Harpoons, ehe die alten Schweden von Europe (31., Gasometer) schließlich an ihren Pudelfrisur-Hardrock erinnern: The Final Countdown! Hoffentlich.

Die Zuckerseiten deutscher Gitarrenmusik servieren Element Of Crime (9. Februar, Gasometer) und Tocotronic (29. März, Arena), die ihr im Februar erscheinendes Album live vorstellen werden: "Schall und Wahn" ist der Nachfolger zu "Kapitulation" aus 2007, mit dem die Band lustvolle (Selbst-)Aufgabe zuletzt als subversiven Akt deutete. Auch Adam Green (22. Februar, Arena) stellt sein neues Album "Minor Love" vor, die Hidden Cameras bringen ihren zuletzt erneuerten Sound auf die Bühne (11. April, WUK) und mit La Roux (8. März, Arena) präsentiert sich – nach Little Boots am Frequency-Festival 2009 – eine weitere Vertreterin des Synthie-Pop-Revivals.

Während der ausgelassene und von kastratischem Falsett-Gesang getragene Gute-Laune-Pop von Mika (29. März, Gasometer) das Mädchen in uns zum Hüpfen bringt, freut sich unser Saubartel-Ich auf erneute Gastspiele von Kiss (20. Mai, Stadthalle), AC/DC (22. Mai, Flugplatz Wels) oder den Thrash-Metal-Göttern Slayer (25. März, Gasometer). Eros Ramazzotti, Freund aller Blondinen und Pizzabäcker, (25. Februar, Stadthalle) und Whitney Houston (19. Mai, ebenda) schauen auch wieder vorbei, um sich in Bälde ein neues Kapitalsparbuch anlegen zu können. Etwas, das auch den alten Indie-Helden Pavement rund um den Sänger Stephen Malkmus (21. Mai, Arena) nach ihrer Tour zur Wiedervereinigung gelingen sollte.

Darüber lachen Bono Vox und seine Kollegen von U2 während eines ausgiebigen Bades im Geldspeicher. Ihr Konzert am 30. August im Ernst-Happel-Stadion ist mit sage und schreibe 70.000 Besuchern schon lange ausverkauft.
(Wiener Zeitung, 31.12.2009/1.1.2010)

Dienstag, Dezember 29, 2009

Hells Bells

Als Helmut Qualtinger Brutalität einst als "Simmering gegen Kapfenberg" definierte, konnte er eines nicht ahnen: Fünf Jahrzehnte später ist alles noch viel schlimmer. Kräfteverhältnisse sind ungleicher, die Gegner unerbittlicher geworden. Silvio Berlusconi gegen den Mailänder Dom. FPÖ gegen BZÖ. AC/DC gegen die Vögel!



Just zur Brutzeit wollen die Hardrocker am Welser Flugplatz konzertieren und dadurch den Nachwuchs einer hiesigen Kolonie vernichten. Dirty deeds, done dirt cheap! Tierschützer laufen Sturm, doch der AC/DC-Fan kennt keine Gnade. Bierlachen und Eierspeis pflastern seinen Weg. Nur ein toter Vogel (mit Pommes) ist ein guter Vogel, und "Hells Bells" das erste und letzte, das die Küken hören werden. Hainburg ist lange her. Und wo versteckt sich Maggie Entenfellner, wenn man sie einmal braucht?

Nachlese: AC/DC in Wien

(Wiener Zeitung, 30.12.2009)

Donnerstag, Dezember 17, 2009

Die Klavierspielerin

Betuliche Liedkunst: Regina Spektor, US-Songwriterin mit russischen Wurzeln, spielte im Wiener Gasometer

Regina Spektor hat ein großes Herz. Und sie umschreibt ihre daraus geschöpfte Kunst am Mittwoch im Wiener Gasometer über Song Nummer sieben im Set kurz und bündig so: "One More Time With Feeling".

Die aus Russland gebürtige Sängerin, deren bester Freund aus vielen weißen und schwarzen Tasten besteht, schielt mit ihren im Vortrag sympathischen, wenn auch durchwegs betulichen Liedern auf das Mädchen in uns. Eine Frau und ihr Klavier kämpfen gegen die Kälte dieser Welt. Und es besteht kein Zweifel: Meine Gefühle, deine Gefühle, kurz, unser aller Gefühle stehen an diesem vorweihnachtlichen Liederabend entschieden im Vordergrund.

Unterstützt von Schlagzeug und Streichern, die aufgrund eines ausgiebigen Solo-Teils ihrer Chefin heute nur Kurzarbeit leisten, wird dabei vor allem aus dem aktuellen Album "Far" gereicht. Darauf kredenzte Spektor zuletzt formatradiotauglichen Weichspül-Pop und solchermaßen den gefühlsduseligen Soundtrack für die US-Krankenhausserie unseres Misstrauens.

Rührstücke wie "Eet" oder "Laughing With" zeugen dabei zuallererst von einem: Nach durchaus verschrobenen Momenten auf ihrem Debütalbum "11:11" aus 2001 ist die heute 29-jährige Wahl-Amerikanerin über ihr Instrumentarium um Stromgitarre und Drum-Computer erweiternde Arbeiten wie "Soviet Kitsch" oder "Begin To Hope" spätestens jetzt doch etwas bieder geworden.

Immerhin durfte man die Sängerin vor allem auf der Textebene einst nicht unterschätzen. Wir erinnern uns an ihre schwarz-humorige Suizid-Hymne "Carbon Monoxide" und werden live bei "Poor Rich Boy" mit unserer Freundin am Schlagstock Zeugen einer angenehm unangenehmen Abhandlung. Auch eingedenk dessen weiß man mit aktuell moralapostolischen Ansagen wenig anzufangen. Zitat: "No one laughs at God when the doctor calls after some routine tests. No one’s laughing at God when it’s gotten real late and their kid’s not back from that party yet. No one laughs at God when their airplane starts to uncontrollably shake."

Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Regina Spektor beweist am Klavier sowie mit Dehnungsübungen am Stimmband als flotte Vokalakrobatin, dass sie auch einmal am Konservatorium war. Und sie hält ihr Publikum mit launigen Zwischenansagen am Schmäh. Das Kunsthaus, Hundertwasser und Kartoffelpuffer, vor allem Kartoffelpuffer, seien besonders toll an Wien. Und Maroni!

Lachen, Lächeln, Schmunzeln. Danach Stille. Fans von Regina Spektor tuscheln nicht. Sie sind Andachtslauscher vor dem Herrn. Das leiseste Konzert des Jahres!
(Wiener Zeitung, 18.12.2009)

Mittwoch, Dezember 16, 2009

Die Abwärts-Spirale

Über den Zustand der Musikindustrie anno 2009 wurde bereits ausführlich geschrieben. In aller Kürze lassen sich die Entwicklungen der letzten Jahre am besten über ein Album der Nine Inch Nails beschreiben: Wir haben es mit einer regelrechten "Downward Spiral" zu tun. Beziehungsweise mit einer Skala, der nach unten hin keine Grenzen mehr gesetzt sind. Sprich: Unten ist das neue Oben. Oben ist die Luft sehr dünn. Und Sauerstoffmasken sind die ersten Opfer des Rotstifts.

Konkret hat man sich als Musikjournalist schon lange daran gewöhnt, Rezensionsexemplare im schlanken Pappschuber und ohne jedwede Begleitinformation wie etwa die nicht ganz unentscheidenden Songtexte zu erhalten. So man nicht, wie vom krisengebeutelten Unterhaltungsriesen EMI, bevorzugt mit MP3-Streams in mäßiger 128 kbps-Codierung abgespeist wird. Unfreundliches Marketing regiert diese Welt. Dafür sind wir alle radikal amikal eingestellt und gleich immer per Du! Was zählt ist die Stimmung, und Euphemismen sind der Branche fremd. "Freundliche Übernahme" und "Friendly Fire" – die Diktion der immer anderen.

Alles hin, hin, hin? Alles egal. Manchmal wird man mit nachgeradezu grotesken Ereignissen aber immerhin noch bestens unterhalten. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und Humor ist vor allem ein psychologischer Schutzwall, der etwaige Verzweiflungstränen auch anderweitig deutbar macht.

Unlängst versicherte mir ein Musik-Vertrieb, mich mit dem neusten Werk einer Band zu versorgen, deren Konzert besprochen werden wollte. Neun Tage nach dem netten Mail-Verkehr finde ich das Paket – Freude! – zwar auch in meinem Postkasten. Der Inhalt besticht aber nicht bloß mit einer völlig anderen, sprich falschen CD. Beigelegt sind neben einer Werbung für das Versicherungs-Unternehmen meines Misstrauens sowie der Bestätigung über einen angeblich "ersteigerten Ebay-Artikel" auch eine Rechnung über $ 34,99, die der US-amerikanische Buch-Versand Barnes & Noble einem mir nicht näher bekannten indonesischen Landsmann ausstellte.

Die Frage lautet jetzt natürlich: Hä? Was um Gottes Willen? Wie, warum, und nochmals: Hä? Eines aber ist gewiss: Die Musikindustrie wird sich gewaltig anstrengen müssen, um sich selbst noch einmal zu überbieten. Überbieten ist das neue Unterbieten. We love to entertain you? Bitte gerne. Mein Postfach wartet!
(Wiener Zeitung, 17.12.2009)

Dienstag, Dezember 15, 2009

Also kannst du es bauen!

Ebony Bones! muss man sich vorstellen wie Tingeltangel-Bob aus der TV-Serie Die Simpsons, der sich die Strumpfhose von Kermit dem Frosch und das Kleidchen beim Stoffwurst-Metzger ausgeborgt hat.

Die aus London stammende Musikerin, die bereits auf eine Karriere als TV-Star der Daily Soap "Family Affairs" zurückblickt, bastelt nicht nur ihre Musik zu Hause am Laptop in bester Do-It-Yourself-Manier selbst. Wie man im nur mäßig gefüllten Wiener Flex bei einer ersten, ebenso kurzen wie intensiven Vorstellungsrunde schon ab 0 Uhr 45 (!) live im Konzert erleben darf, gibt sie auch die Ausstattung ihrer Bühnenshow nicht gerne aus der Hand. Arbeitsmotto: Du kannst es dir vorstellen, also kannst du es bauen!

Während die Background-Sängerinnen also im Lady-Gaga-Gedächtnis-Look Quarterback-verdächtige Schulterpolster zur Schau stellen, um mit ihren Frisuren vor allem an die Cheops-Pyramiden zu erinnern, sieht ihr Gitarrist gleich aus wie Pharao Tutanchamun in seiner 2.0-Version als frecher Disco-Hippie. Und als wäre das nicht genug an optischer Überforderung, werden dazu auch noch als Veitstanz getarnte epileptische Anfälle vorgeführt. Man hört und sieht es: Ebony Bones! ist ein wildes Huhn.

Allerdings darf man sich davon nicht täuschen lassen. So krochabunt, närrisch und verspielt sich die Sängerin nach außen hin auch geben mag, so übersteigt ihr Schaffen doch das Stadium einer reinen Kinderjause. Songtitel wie "W.A.R.R.I.O.R", "In G.O.D. We Trust (Gold, Oil & Drugs)", "We Know All About You" oder "Smiles & Cyanide" legen es bereits nahe: Es geht zwischen unverschämt zum Tanz ladenden Partykrachern wie "The Muzic" auch um Themen wie Rassismus oder strategische Überwachungstendenzen. Ihre schönsten Slogans hält die Sängerin allerdings für potenzielle Verehrer im Talon. "I'm Ur Future X Wife" und "Don't Fart On My Heart" stellen die Vorzeichen recht unsanft auf Beziehungs-Ballaballa.

Unterstützt von ihrer siebenköpfigen Band, krächzt, kreischt, brüllt und padauzt sich Ebony Bones! dem nicht bloß unterschwelligen Punk-Gestus ihrer Musik folgend durch das Konzert, als gäbe es kein Morgen. Wir hören tribalistische Beats auf Basis klirrender Einweg-Flaschen, zu denen sich unterkühlte Synthie-Bässe ebenso gesellen wie beseelte Bläser-Arrangements. Das scheppert und erfreut die Herzen aller immer nie Erwachsenen.
Zu Coverversionen von "Another Brick In The Wall" und "I Wanna Be Your Dog" zwitschert dann auch die Trillerpfeife. Auf Twitter steht: "ebony bones show was great!"
(Wiener Zeitung, 16.12.2009 Print/Online)

Bescheidenheit: Keine Zier!

Anders Wendin ist ein Schelm. Der Schwede, den man besser als Moneybrother kennt, vertont am Sonntag im Wiener WUK nichts weniger als einen alten Sinnspruch neu.

Unter tüchtiger Mithilfe seiner fünfköpfigen Band, die sich auch durch ihre Arbeit an Orgel, Querflöte und Saxofon hervortut, hören wir auf Basis kompakt eingängiger Rocksongs mit viel, sehr viel oder noch mehr als sehr viel Soul in windschiefen Gruppengesängen auch den Text dazu durch. Er lautet: Bescheidenheit ist eine Zier. Doch besser rockt man ohne ihr!

Der dürre Sänger erweist sich live als Übertreibungskünstler im Sinne Thomas Bernhards. Mit einer Stimme, die durch leidenschaftliches Agieren ihren Mangel an Ausdruck wettmacht, überzeichnet und übersteigert Wendin den Tenor seiner Songs mit Inbrunst zum Klimax des Klimax. Hörbeispiel eins: "Aaaah!"

Seine Band tut es ihm gleich und trägt dick auf. Lieder werden zerdehnt, abgebrochen, fortgesetzt. Enden werden fingiert, ehe es von neuem losgeht. Das Saxofon soliert lässig vor sich hin – und her.

Soul-Musik ist die Musik der Liebe und hat bei Moneybrother immer mit dem zu tun, was Funny van Dannen als "Herzscheiße" bezeichnet. Dass die Lieder dennoch ihr "Ja" zum Leben bekennen, liegt auch an Wendins Hang zum launigen Sager. Hörbeispiel zwei, "This is not living, this is getting old!", zaubert uns stellvertretend für das Werk unseres Soulbrothers ein Lächeln ins Gesicht – und einen Aphorismus ins Notizbüchlein.

Dabei bestätigen unsere Freunde mit Balladen wie "Showdown" vom aktuellen Album "Real Control" sowie schwer bretternden Versionen von "They’re Building Walls Around Us" oder David Bowies "Modern Love" die ursprüngliche Annahme: Moneybrother muss man lieb haben!
(Wiener Zeitung, 16.12.2009)

Freitag, Dezember 11, 2009

Deine Disco braucht dich!

Franz Ferdinand gastierten in Graz

Als sich Alex Kapranos und seine schottischen Freunde von Franz Ferdinand im Jahr 2004 anschickten, mit ihrem titellosen Debütalbum die prägendste wie kommerziell erfolgreichste Indie-Rock-Kapelle der Nullerjahre zu werden, konnte das Wörtchen "Disco" vor allem in einem Kontext nicht außen vor gelassen werden: Die Disco ist ein Ort ekstatischer Alltagsfluchten, an dem der Bär steppt.

Und während in den 90er Jahren Techno als flotte Marschiermusik zum Tanz durch die Blitzhütte lud, ging es nach dem Millennium hübsch anachronistisch darum, die Verhältnisse zurechtzurücken. Merke: Gott ist kein DJ! Gott hatte schon immer einen weißen ZZ-Top-Bart und stand auf dem "Stairway To Heaven" der Stromgitarre näher als den Turntables.

Franz Ferdinand führten eine Bewegung an, die über kompromisslose Staccato-Gitarren und Bumm-Tschack-Beats aus der Schule des Post-Punk den Dancefloor mit hausgemachter und livetauglicher Musik zurückerobern wollte – und letztlich auch sollte: Meins!

Über ihren hastig nachgeschobenen Zweitling "You Could Have It So Much Better" und die anschließende Tour, auf der sich die Fränze bald selbst langweilig wurden, heißt "Disco" auf dem am Donnerstag in Graz live vorgestellten dritten Streich "Tonight: Franz Ferdinand" aber auch: Der Bass rotiert! Und Donna Summer ist auf ewig die Dancing-Queen. Mit "Lucid Dreams" und "Outsiders" humpelt die Band also eingedenk des geistigen Erbes Giorgio Moroders sanft wehmütig durch die zum Studio 54 mutierte Helmut-List-Halle. Das ist spätestens seit dem Debüt von Hercules & Love Affair und deren als elektronische Musik zur Zeit gedeutetem Disco-Spaß wieder schick – und nicht mehr peinlich.

Während Kapranos als Beau im edlen Zwirn auch optisch erklärt, warum seine Band gerne als "kunststudentisch" bezeichnet wird, dokumentieren Lieder wie "Can’t Stop Feeling" oder "Live Alone" eindringlich vor allem, dass ein guter, alter Sowjet-Synthie namens Polyvoks im Westen zugunsten der Marken Korg und Moog völlig zu Unrecht lange ignoriert wurde. Mit diesem entnommener, zünftig plärrender Unterhaltungselektronik geht es daran, den magischen Geist einer großen Partynacht einzufangen. "Then suddenly you know/You are never going home!" heißt es folgerichtig in "Ulysses". Das Morgen graut wieder einmal immer nie. Und wenn doch: Egal!

Aber auch der "schwarze" und bei Franz Ferdinand eher naseweis klingende Funk hat sich ins Werk geschlichen: Wir hören es bei "No You Girls" und werden später Zeugen einer ersten Bachelor-Arbeit im Fach "Afrikanische Polyrhythmik oder so". Franz Ferdinand bitten zum Jam an den Trommeln.

Davor, dazwischen und danach setzt es Generationshymnen wie "The Dark Of The Matinee", "This Fire" oder "Do You Want To" als mit Hang zum immanenten Systemfehler geballerte Rock-Sause der Neigungsgruppe Greatest Hits. Nach gut fünf Jahren im Geschäft wurde es dafür aber auch wirklich Zeit. Alle sind begeistert, "Take Me Out" ist übrigens noch immer ein Welthit. Aber der Konfetti-Regen hat gefehlt!
(Wiener Zeitung, 12./13.12.2009)

"Ich finde das Positive eigentlich immer ganz gut"

Jochen Distelmeyer über Hass, das Positive und sein Selbstverständnis als Solokünstler

"Wiener Zeitung": Ein Schlüsselsong auf Ihrem ersten Soloalbum heißt "Wohin mit dem Hass?" Ist das Ihr persönlicher Song zur Krise?

Jochen Distelmeyer: Nein, nicht wirklich. Bei dem Stück ging es mir eher um den Hass als Gefühl, und weniger um die Verbindung dieses Gefühls zur politischen Großwetterlage.

Sie singen hier auch: "Kennst du die Reichen und Mächtigen? Lass ihre Wagen brennen!" Stichwort: Jugendkrawalle. Das schwingt dabei doch mit, oder?

Ja, das ist schon richtig. Als ich das Stück geschrieben habe, war das, was jetzt seit ein paar Monaten auch in Berlin und Hamburg wieder gehäuft passiert, in diesem Maße vielleicht so noch nicht abzusehen. Und ich fand es eigentlich recht bemerkenswert, wie zivilisiert es angesichts der gesellschaftlichen Drucksituation noch zuging. Vielleicht sind die Leute zivilisierter als die Regierungen, die sie regieren?
Primär war es bei diesem Lied aber entscheidend, anzusehen und darzustellen, dass sich dieses Hassgefühl nicht bewältigen oder überwinden lässt durch gewaltsame Ausschreitungen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht ein historisch probates Mittel zur politischen Artikulation sind. Aber ich rufe nicht dazu auf.

Hass hat als Thema in Ihrem Schaffen bisher eigentlich keine große Rolle gespielt.

Weiß ich nicht. Ich mein, es gibt ja auch, Zorn, Empörung und Wut. Das hab ich auch immer schon empfunden, und ich hab immer schon davon gesungen. Wenn es auch nicht mein primäres Gefühl zur Welt ist. Aber das gibt es, und das hab ich immer auch versucht, anzuerkennen.

Dennoch scheint Ihnen das Positive als Künstler näher zu sein.

Nicht nur als Künstler, vor allem auch als Mensch ist mir das Positive näher. Das liegt in der Natur der Sache. Ich finde das Positive eigentlich immer ganz gut.

Konkret: "Lass uns Liebe sein", Ihre erste Solo-Single, ist doch die Lied gewordene Lebensbejahung. Der Song gibt Kraft, wie auch Blumfeld-Songs wie "Neuer Morgen" oder "Wir sind frei". Ist das eine angenehme Nebenwirkung oder bewusst intendiert?

Find ich gut, wenn das passiert, das ist doch schön!
Ich schreibe die Songs für mich, vielleicht für die Menschen, die mir sehr nahe stehen. Und wenn ich sie aufnehme und veröffentliche, dann möchte ich das mit mehr Menschen teilen. Und hoffe, dass denen das gefällt – und ihnen genauso Mut macht oder Kraft gibt, wie mir Lieder Mut gemacht oder Kraft gegeben haben, die ich gut fand. Aber das können auch traurige Lieder sein, die das machen. Das kommt eigentlich nur darauf an, wie entschieden man sich zu dem bekennt, wovon man da singt.

Sie singen auch: "Wohin mit dem Hass, all dem Hohn und Spott? Dem Neid, mit dem ihr mich betrachtet?" Angesichts der zum Teil auch beleidigenden Kritik, die Sie mit Blumfeld zuletzt einzustecken hatten – kokettieren Sie hier nicht auch damit, dass mit diesen Zeilen Ihre Widersacher konkret angesprochen sein könnten?

Ich kokettiere nicht damit. Aber das kann es natürlich auch heißen, klar!
Also nicht jede Kritik an dem, was ich mache oder gemacht habe, nehme ich als hasserfüllt wahr. Aber es gibt natürlich bestimmte Formen von Polemiken, wo es ganz offensichtlich ist, dass dahinter eher der verzweifelte Versuch steht, diese so von außen wahrgenommene Figur, die ich da vielleicht darstelle, zu treffen. Ich nehme das aber so oder so eher als Anerkennung meiner Arbeit wahr, weil die Tatsache, dass sich Leute in intensiver Art und Weise mit etwas auseinandersetzen in so einem Kulturfeld, ja nicht ganz selbstverständlich ist. Das ist schon ein Privileg. Von Bösartigkeiten darf man sich nicht beirren lassen.

Musikalisch haben Sie auf "Heavy" zumindest teilweise wieder zum Rock zurückgefunden. "Hinter der Musik" etwa klingt deutlich härter als alles, was auf den letzten Blumfeld-Alben zu hören war. Ein bewusster Befreiungsschlag?


Ich hatte nicht das Gefühl, mich von irgendetwas befreien zu müssen, habe für mich da weiter gemacht, wo ich aufgehört habe und die Lieder einfach kommen lassen. Und die waren halt da und es hat Spaß gemacht, sie zu spielen. Ich würde meinen, dass Lieder wie "Strobohobo" oder "Tics" auch noch dem Rock-Ding zuzuordnen waren – und live hatten wir ja immer auch älteres Material dabei, insoferne hat das mit dem Rock 'n' Roll ohnehin immer stattgefunden.

Im Großen und Ganzen steht "Heavy" in der Tradition von Blumfeld. .

Klar!

. . . wenn ich aber behaupte, Sie hätten das Album so auch mit Blumfeld einspielen können, werden Sie mir dennoch widersprechen?

Da widerspreche ich auf jeden Fall, ich glaube, das Album hätte es so nicht gegeben. Für mich war der Moment, die Band aufzulösen, nicht der Ausdruck einer Abkehr von etwas. Diese 16 Jahre sind für mich eine wundervolle, tolle und sehr, sehr wichtige Sache. Es hat Spaß gemacht. Es bestand für mich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl oder die Notwendigkeit, nicht da weiterzumachen, wo ich als Songschreiber aufgehört habe.

Trotzdem: Können Sie an etwas Konkretem festmachen, warum "Heavy" keine Blumfeld-Platte hätte werden können?

Weil sich mein Selbstverständnis als Musiker und Mensch auch durch die letzten Platten mit Blumfeld und die Zeit generell gewandelt hat. Und ich zu dem Zeitpunkt, als ich merkte, dass es richtig ist, das Kapitel Blumfeld zu beenden, registriert habe, dass ich woanders angekommen war. Als Typ mit meiner Sicht auf die Dinge oder die Welt und auf mich selber. Und ich von da an meinen Weg in dem Bekenntnis zu meinem Eigennamen alleine weitergehen wollte.

Ist das "Ich" auf der Platte eigentlich Jochen Distelmeyer?

Ja, klar, auch – logisch. Das sind Momentaufnahmen meiner Entwicklung.

Ich frage deshalb, weil Sie etwa in "Murmel" singen: "Und ich, ich bin am Ziel. Weiß was ich will und brauch nicht viel." Ich meine das nicht böse, aber dieser Satz könnte so auch von meinen Großeltern stammen. So quasi: Wir sind alt, und haben ja alles. Das klingt schon sehr "gesettled" und zufrieden.


Ich weiß schon, was Sie meinen. Aber diese Momente der absoluten Zufriedenheit gibt es nun mal, und das betrifft auch Menschen, die jünger sind als Ihre Großeltern – oder sogar als Sie und Ich. Aber das heißt ja nicht, dass das dann permanent so ist. Aber in dem Moment, von dem der Song handelt, ist es eben so. Eine Momentaufnahme, die vielleicht in einem Grundgefühl verwurzelt ist.

Würden Sie meinen, dass Sie über die Jahre gelassener geworden sind?

Was manche Dinge betrifft, bestimmt. Aber das geht, glaub ich, mit dem Alter und ist ganz normal. Bei manchen Sachen bin ich noch immer alles andere als gelassen und entspannt.

Wie zum Beispiel bei …?

Ungerechtigkeit, mangelndem Anstand. Da hat ja jeder seine Punkte, die er nicht bereit ist hinzunehmen.

Aber das ist bei Ihnen heute ein privates Gefühl und mündet nicht in konkretes politisches Engagement – so wie früher, etwa mit den "Wohlfahrtsausschüssen".

Ja, das ist bei mir doch etwas in den Hintergrund getreten. Ich bin halt primär Musiker.

Nur nicht dem Bono-Syndrom zum Opfer fallen…?!

Ach, vielleicht bemüht der sich einfach! Ich seh da vielleicht viele Dinge anders, aber er bemüht sich halt auf eine Art, die herausgehobene Stellung, die er aufgrund seiner Popularität genießt, für andere Dinge zu nutzen. Wenn man etwas Gutes tun kann, dann sollte man natürlich auch Gutes tun.

Zur Person

Jochen Distelmeyer, 1967 in Bielefeld geboren, war von 1990 bis 2007 Sänger und Mastermind der deutschen Diskursrockband Blumfeld. Nach gefeierten Anfängen mit Alben wie "Ich-Maschine" oder "L'Etat et Moi" polarisierte die Band später mit eingängigem Gitarrenpop, der sich bisweilen nahe am Schlager bewegte – sowie mit Abzählreimen über "Tiere um uns" oder den "Apfelmann". Nach dem Ende von Blumfeld ist Distelmeyer nun als Solokünstler aktiv. Sein Debütalbum, "Heavy", erschien im Oktober dieses Jahres.
(Wiener Zeitung, 11.12.2009)

Freitag, Dezember 04, 2009

Alles falsch? Alles gut!

Depeche Mode, die ewigen Edlen des Pop, entfesselten ihr Wiener Publikum

Dass Konzerte der britischen Pop-Institution Depeche Mode den Konventionen klassischer Rock-Shows folgen, ist zwar schon länger bekannt. Stichwort: Eins, zwei, drei – und jetzt alle! Stichwort aber auch: Echtes Schlagzeug, echte Gitarren. Echte Musik!!

Man muss aus unterschiedlichen Gründen aber wieder einmal kurz auf die Besonderheit dieses Umstands verweisen. Immerhin war das Trio 1980 mit fidel quengelndem Synthie-Pop der klassischen Schule ("Just Can’t Get Enough") angetreten, mit ebenjenen Konventionen zu brechen. Und immerhin beweisen Arbeitskollegen wie die Pet Shop Boys, dass man es sich "live" auch mit sehr viel weniger gemütlich machen kann: Voll-Playback etc.

Sänger Dave Gahan – noch immer eine Rampensau vor dem Herrn! –, Mastermind Martin Gore, der seine Gitarre live so gar nicht mehr aus der Hand geben will, und Andrew Fletcher am Keyboard haben damit die richtige Entscheidung getroffen. Dass nicht erst am Ende ihres knapp zweistündigen Konzertes die Stadthalle inklusive der obersten Ränge im Kollektiv tanzt, sollte als Bestätigung dafür eigentlich ausreichen – zumal die Band in ihrem Schaffen nicht unbedingt als konsensfähigste aller Popbands bezeichnet werden kann.

Sein Konzert beginnt das live um Peter Gordeno am Keyboard und den österreichischen Schlagzeuger Christian Eigner erweiterte Trio mit Material aus seinem aktuellen Album "Sounds Of The Universe". Nach dem atmosphärischen Auftakt mit "In Chains" folgt mit "Wrong" ein Song, der in knapp drei Minuten das Wesen der Band auf den Punkt bringt. Zu kalten und düsteren Elektrosounds, die Christian Eigner mit einem aggressiven Beat unterlegt, quält sich Dave Gahan durch ein Lamento ohne Hoffnung. Alles ist hin, alles kaputt, alles war immer schon falsch. Ein Mann zieht Bilanz: "I was born with the wrong sign/ In the wrong house/ With the wrong ascendancy.. ."

Dabei macht die Band alles richtig – und schwenkt über "Hole To Feed" aus der Feder ihres Sängers und Neo-Songwriters über zu den großen Hits. Wir hören zeitlos gültige Popsongs wie "Enjoy The Silence", "Policy Of Truth" oder "It’s No Good". "Walking In My Shoes", "In Your Room" und "Stripped" erzeugen noch immer Gänsehaut. Und Andrew Fletcher klatscht noch immer in die Hände und hat sonst nicht viel zu tun.

Als Geschenk an den Connaisseur in uns gibt Martin Gore Akustik-Versionen von "Insight" und "One Caress", ehe mit "Personal Jesus" am Ende Techno und Blues leidenschaftlich übereinander herfallen. Depeche Mode? Live noch immer groß und mächtig.
(Wiener Zeitung, 5./6.12.2009)

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Dosenbrot mit Augenkrebs

Neil Tennant und Chris Lowe, besser bekannt als Pet Shop Boys, gastierten im Wiener Gasometer

Was ist Pop? Auch und vor allem über das Werk der Pet Shop Boys lässt sich diese Frage in zweierlei Hinsicht beantworten. Wir haben es mit einer Spielform zu tun, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch über ihren Bezug zu Kunst, Mode oder Design zu einem genuinen Referenz- und Zeichensystem anwuchs, um anerkanntes Kulturgut zu werden. Einerseits.

Andererseits bedient Pop – der Name impliziert es bereits – mit auf Oberflächenglanz polierter "Gebrauchsmusik" einen Massenmarkt, der sich in den Charts widerspiegelt und begierig vor allem eines fordert: Schicke Ware für die Saison, gedacht zum gachen Herreißen. Wenn dabei ganz beiläufig auch ein Hit für die Ewigkeit abfällt – würdig und recht!

Kulturelle Akzeptanz, kommerzielle Verwertbarkeit: Kaum jemand bewegt sich geschickter zwischen diesen beiden Polen als Neil Tennant und Chris Lowe, die seit 1981 als Pet Shop Boys agieren und mit bittersüßen Dancefloor-Hits wie "It’s A Sin", "West End Girls" oder "Can You Forgive Her?" nichts weniger als synonym für Pop stehen. Ob man nun will oder nicht: vor diesen Songs gibt es kein Entrinnen. Sie sind für immer und alle Zeit irgendwo im Großhirn gespeichert und von dort aus jederzeit abrufbar. Siehe auch: Die Hookline siegt, der Refrain war stärker!

Optischer Zierrat

Bei allem also gebotenen Respekt muss man nach dem Konzert im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Wiener Gasometer am Mittwoch aber auch eines festhalten: Live mögen die Boys zwar ihre Die-Hard-Fans befriedigen. Der gute Rest darf beim nächsten Mal aber gerne zu Hause bleiben, eine Best-Of-Zusammenstellung auflegen und im Hintergrund den Kinderkanal laufen lassen – es hätte denselben Effekt.

Während Neil Tennant sich mit seiner zärtlichen Götterstimme wahlweise in Abendrobe, Krocha-Tracht oder als königlicher Zeremonienmeister durch das Set croont, tupft Chris Lowe als einziger Musiker auf der Bühne alle zehn Minuten eine Melodie auf. Und wenn er seine Schaltkanzel zwecks Disco-Dancing einmal verlässt, dann spielt diese ganz alleine weiter!

Während einer Konzertdauer von gut 100 Minuten reihen Tennant und Lowe Hit an Hit, Kopfbekleidung an Kopfbekleidung. Am Anfang ziehen sich die Beiden lustige Kuben über das Gesicht, gegen Ende trägt Lowe eine Topfpflanze am Haupt, ehe er beim abschließenden Weihnachts-Clubbing als flotter Wedler aus dem Tiroler Hinterland mit einem Stirnband, das an Hansi Hinterseers Zottelfellstiefel erinnert, zum Après-Ski lädt. Die vier mitgebrachten Ausdruckstänzer wiederum verkleiden sich als Disco-Mutanten, Wolkenkratzer aus Pappkarton – und herzallerliebste Weihnachtsbäume.

Wir hören Schlager für Fortgeschrittene als wahlweise um optischen Zierrat behübschtes wie Augenkrebs evozierendes Dosenbrot. Nach Hits wie "Suburbia", "Being Boring", neuem Material wie "Pandemonium" oder "Building A Wall" sowie der grandiosen B-Seite "Do I Have To?" läutet Konfetti-Regen das Ende ein. Schade, aber auch höchste Zeit. Wie heißt es in "Love etc." doch so schön? "Too much of everything is never enough!"
(Wiener Zeitung, 4.12.2009)