- Alela Diane im Wiener WUK
Wien. Mit ihrem hierzulande kaum wahrgenommenen Debütalbum "The Pirate’s Gospel" veröffentlichte Alela Diane eine der erfreulichsten Arbeiten in der Kategorie Folk-Revival – 2004 noch im Selbstvertrieb, zwei Jahre später über das Label Holocene Music. Fokussiert auf die ausdrucksvolle, meist von sanfter Lagerfeuer-Klampfe getragene Stimme, entstanden ökonomisch reduzierte Songperlen wie "Pieces Of String" oder "Clickity Clack", deren Texte überwiegend Familie und – ganz Hippie-Style! – Natur zum Inhalt hatten.
Auf ihrem heuer nachgeschobenen Zweitling "To Be Still" zeigt sich die Sängerin aus Nevada, zu deren Freundeskreis unter anderem auch die wunderbare US-Harfenistin Joanna Newsom ("Ys") zählt, nun erstmals in breiter Instrumentierung. Zwischen Tour und Tour im Heimstudio ihres Vaters und Förderers aufgenommen, stimmen Schlagzeug und Percussions in den Chor ein, aber auch Streicher drängen behutsam in den Vordergrund. Dazu zirpen die Mandolinen und greinen die Steel-Gitarren. Wir hören Pop-Songs mit Folkeinschlag ("White As Diamonds"), aber auch Rootslastigeres wie die titelgebende Country-Ballade.
Das ist gut und schön, allerspätestens im letzten Drittel wird die Angelegenheit aber doch etwas langweilig. Ähnliches dürfte bei Dianes mit Spannung erwarteter Österreich-Premiere am 1. Oktober im Wiener WUK nicht passieren. Schließlich genießt das Hippie-Mädchen den Ruf einer begnadeten Vollblutmusikerin – und ein solcher verpflichtet.
(Wiener Zeitung, 25.9.2009)
Donnerstag, September 24, 2009
Mittwoch, September 16, 2009
Cato lässt die Puppen tanzen
Mascheks Puppentheater "Bei Faymann" feierte im Wiener Rabenhof Premiere
Wie Österreich funktioniert, erklären die Wiener Schmähbrüder maschek mit ihrem als Politklamauk gehaltenen Puppentheater "Bei Faymann" (Konzept und Regie: Thomas Gratzer) in etwa so: Medien, Wirtschaft, Politik. Verhaberung, Vernaderung. Sprich: Wir haben es mit einem Filz zu tun, in dem sich die politische Speerspitze des Landes bis an den Rand zur Selbstaufgabe biegt und wendet, um nur ja nicht blöd anzuecken. Die Gunst des Wählers ist ein Hund, der Cato heißt – und die Puppen tanzen lässt, bis er zum Bettvorleger wird.
Nach ihren Programmen zu den Kanzlerschaften Schüssel und Gusenbauer zeichnen die Drüberredner der Nation mit ihren von Gerhard Haderer entworfenen und von Brigitte Schneider genial angefertigten Marionetten Werner Faymann und dessen Vize Josef Pröll nun als grinsenden Strahlemann wie als gemütlichen Herren mit Wurstkranz, Stelzenträumen und eigener Selchkammer.
Medienposse mit Wuff
Schon bald aber geht es zu Gunsten einer groß angelegten Medienposse ohnehin weniger um die Charaktere. Immerhin spielt das Stück überwiegend draußen in der Muthgasse - im Foyer der dort ansässigen Kronen Zeitung, wohin Faymann das Bundeskanzleramt nicht bloß aus Kostenersparnisgründen übersiedeln ließ. Wer hätte das gedacht? Es geht auch darum, gleich selbst als Werner Fay…, äh, Franz Gans aus Gänserndorf Leserbriefe zwecks Eigen-PR zu verfassen. Der Alte wird's schon (ein)richten.
Des einen Onkel Hans ist "Bei Faymann" des anderen Onkel Konrad. Ausgerechnet der Raiffeisen-Generalanwalt und baldige Krone-Herausgeber gleichen Namens darf dem Finanzminister helfen, den Staatshaushalt mit einer Spendenaktion für unseren guten, alten Steffl zu sanieren. Dadurch und mit Gastaufritten von Papst Benedikt XVI. geht es dann also auch noch ums Katholische - und dank einer zärtlichen Affäre zwischen dem Wiener Bürgermeister und dem niederösterreichischen Landeshauptmann um dessen Einfluss auf die Bundespräsidentschaftswahl. Klingt bescheuert, ist es auch. Wuff!
Bei Faymann
Von und mit maschek
Derzeit im Rabenhof
(Wiener Zeitung, 17.9.2009)
Wie Österreich funktioniert, erklären die Wiener Schmähbrüder maschek mit ihrem als Politklamauk gehaltenen Puppentheater "Bei Faymann" (Konzept und Regie: Thomas Gratzer) in etwa so: Medien, Wirtschaft, Politik. Verhaberung, Vernaderung. Sprich: Wir haben es mit einem Filz zu tun, in dem sich die politische Speerspitze des Landes bis an den Rand zur Selbstaufgabe biegt und wendet, um nur ja nicht blöd anzuecken. Die Gunst des Wählers ist ein Hund, der Cato heißt – und die Puppen tanzen lässt, bis er zum Bettvorleger wird.
Nach ihren Programmen zu den Kanzlerschaften Schüssel und Gusenbauer zeichnen die Drüberredner der Nation mit ihren von Gerhard Haderer entworfenen und von Brigitte Schneider genial angefertigten Marionetten Werner Faymann und dessen Vize Josef Pröll nun als grinsenden Strahlemann wie als gemütlichen Herren mit Wurstkranz, Stelzenträumen und eigener Selchkammer.
Medienposse mit Wuff
Schon bald aber geht es zu Gunsten einer groß angelegten Medienposse ohnehin weniger um die Charaktere. Immerhin spielt das Stück überwiegend draußen in der Muthgasse - im Foyer der dort ansässigen Kronen Zeitung, wohin Faymann das Bundeskanzleramt nicht bloß aus Kostenersparnisgründen übersiedeln ließ. Wer hätte das gedacht? Es geht auch darum, gleich selbst als Werner Fay…, äh, Franz Gans aus Gänserndorf Leserbriefe zwecks Eigen-PR zu verfassen. Der Alte wird's schon (ein)richten.
Des einen Onkel Hans ist "Bei Faymann" des anderen Onkel Konrad. Ausgerechnet der Raiffeisen-Generalanwalt und baldige Krone-Herausgeber gleichen Namens darf dem Finanzminister helfen, den Staatshaushalt mit einer Spendenaktion für unseren guten, alten Steffl zu sanieren. Dadurch und mit Gastaufritten von Papst Benedikt XVI. geht es dann also auch noch ums Katholische - und dank einer zärtlichen Affäre zwischen dem Wiener Bürgermeister und dem niederösterreichischen Landeshauptmann um dessen Einfluss auf die Bundespräsidentschaftswahl. Klingt bescheuert, ist es auch. Wuff!
Bei Faymann
Von und mit maschek
Derzeit im Rabenhof
(Wiener Zeitung, 17.9.2009)
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