Metropol: Niki List bringt seinen Film "Müllers Büro" auf die Bühne
Der stadtbekannte Schwerenöter Max Müller (Simon Hatzl) hat ein Problem: Als unterbeschäftigter Detektiv ist er zu dem gezwungen, was man heute gern eine prekäre Arbeit nennt. Kein Geld in der Tasche, kein Essen im Magen. Und dann noch das schwere Gemüt, wo man doch eigentlich ein harter Bursche ist. Früh morgens muss ein Whiskey her . . .Im Vorzimmer sitzt mit Fräulein Schick (Stella Fürst) eine Wiener Version der Miss Moneypenny – scharf auf den Chef, der es dann doch lieber mit den wahren Schnitten treibt. Und so ist Fräulein Schick dann halt eine für Müllers besten Freund und Assistenten, den tollpatschigen Larry (Hubert Wolf). Als mit einer reichen Blondine (Elke Jochmann als Bettina Kant) schließlich der lang ersehnte Auftrag ins Büro tanzt, kann die Reise beginnen – nach unten, wo die Strizzis sind.
Der Rest ist aus Niki Lists in den 80er Jahren zum Erfolgsfilm gewordener Gangster-Persiflage hinlänglich bekannt. Das investigative Duo hurt sich durch Wien.
Erotik gesucht
Frei nach dem Motto "Irgendwas geht immer" soll versucht werden, dem von verfeindeten Gangsterbanden zu einem lebensgefährlichen Unterfangen umgemodelten Arbeitsalltag ein wenig Spaß abzuverlangen. Wenn’s halt so schön ist, bei den Huren!
Was im Film damals bisweilen prächtig funktionierte, verkommt heute im Metropol als Schmusical zu einem Trauerspiel aus Klamauk und Schabernack. Die seinerzeit tatsächlich gewagten Elemente ("Noch einen Joe, sonst sterbe ich!") münden in unsagbare Belanglosigkeiten, wie sie nur ein Musical herzustellen weiß.
Die bei aller im Film gelebter Spaßigkeit stets präsente Erotik – erinnere sich bitte einer an Maxi Sukopp! – kann man hier zwar suchen, nur finden wird man sie nicht. Und der einst als Stilmittel eingesetzten Überzeichnung wird noch eines drauf gesetzt: Endstation Laienbühne.
Erfolge aus der Vergangenheit bloß aufzuwärmen, kann kein Ausweg sein. Bis auf eine auch heute noch hin und wieder aktuelle Anspielung auf den Polizeiapparat bleiben wir im Gestern. Müller verabschiedet sich mit einem letzten Furz: Ein treffendes Sinnbild. Holladaro!
(Wiener Zeitung, 14.4.2007)