Zum Tod der Fleetwood-Mac-Musikerin Christine McVie (1943–2022).
„Don’t stop thinking about tomorrow“: Als Christine McVie ihrem Ehemann, dem Bassisten John McVie, nachfolgte und sich im Jahr 1970 der drei Jahre zuvor in London gegründeten Band Fleetwood Mac anschloss, befand sich diese gerade im Umbruch: Nach einer ersten Phase als britische Bluesrockband unter Patronanz ihres Sängers und Gitarristen Peter Green sollten sechs weitere Alben entstehen, bis sich die Formation um den namensgebenden Schlagzeuger Mick Fleetwood als schließlich von Kalifornien aus operierende Popband gefunden hatte – und ihren Weltruhm mit drei Alben zementierte.
Wobei die am 12. Juli 1943 als Christine Anne Perfect
geborene Tochter eines Musikers und einer Wunderheilerin den sanften Ton der Klassiker
„Fleetwood Mac“ (1975), „Rumours“ (1977) und „Tusk“ (1979) nicht nur als
Keyboarderin und Co- oder Lead-Sängerin maßgeblich mitbestimmte. Im Kanon der später
noch mit Lindsey Buckingham und Stevie Nicks an Stimmen und Songwritern wahrlich
nicht unterbesetzten Band stammen mit „Don’t Stop“, „Everywhere“ oder „Little
Lies“ auch die größten Hits aus ihrer Feder. Es handelt sich dabei um zeitlose Songs
aus einer goldenen Ära, die auch bald fünf Jahrzehnte nach ihrer Entstehung als
Evergreens umgehen.
Scheidungsalbum
Nach Anfängen als Mitglied der Bluesband Chicken Shack
und der Veröffentlichung ihres zunächst erfolgslosen ersten Soloalbums „Christine
Perfect“ war McVie im Universum ihrer späteren Stammband erstmals auf dem Album
„Kiln House“ von 1970 zu hören, dessen Cover sie zeichnete. Als offizielles Mitglied
schließlich auf dem Nachfolger „Future Games“ mit an Bord, gipfelte die Transformation
Fleetwood Macs 1976 im Album „Rumours“, das mit 40 Millionen verkauften Einheiten
bis heute zu den erfolgreichsten Bestsellern der Popgeschichte gehört.
Der auch als Scheidungswerk kanonisierte Longplayer
wurde trotz oder vielleicht auch aufgrund erheblicher interner Spannungen zum
Opus Magnum der Band, das auf getrennten Schreib- sowie vor allem auf von
Kokain-Abusus zusätzlich erschwerten Aufnahmesessions beruhte, an die sich Christine
McVie einmal so erinnerte: „Trauma. Trau-Ma.“
Während mit ihrem Hit „Don’t Stop“ einer der darauf
vertretenen Fleetwood-Mac-Songs schlechthin zwar inhaltlich Hoffnung verbreitete,
basierte „You Make Loving Fun“ realbiografisch wiederum bereits auf einem: Nach
ihrer Affäre mit dem Lichttechniker der Band war die Ehe mit John McVie endgültig
Geschichte, die Arbeitsgemeinschaft aber musste weiterbestehen. Christine McVie
stürzte sich in ein Techtelmechtel mit Dennis Wilson von den Beach Boys,
veröffentlichte im Jahr 1984 ihr zweites Soloalbum und schrieb schließlich auf „Tango
In The Night“ von 1986 mit „Little Lies“ gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Eddy
Quintela sowie „Everywhere“ (im Alleingang) zwei der letzten ganz großen Hits der
im Anschluss langsam erodierenden Band.
Nach der musikalischen Frühpensionierung im Jahr 1998 und
einer 16-jährigen Phase des Rückzugs aufs Land zu Hause in Großbritannien kehrte
Christine McVie erst im Jahr 2014 wieder zu Fleetwood Mac zurück. Es folgten gefeierte
Reunionskonzerte und Tourneen. Die wiederaufgenommene Schreibarbeit führte abschließend
im Jahr 2017 zum Album „Lindsey Buckingham Christine McVie“ mit John McVie und Mick
Fleetwood als Gästen.

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