Donnerstag, November 13, 2008

Fleet Foxes: Zwei PS Maximum

Wien. Ausgehend von einer auf Klischeestudien reduzierten Annäherung an den guten alten Rock ’n’ Roll, lässt auf die Herkunft der Fleet Foxes nur deren Kleidung schließen.

Grob karierte Flanellhemden und ein tendenziell der Verwahrlosung geschuldetes Erscheinungsbild – inklusive Pelzgoschn –, mögen manch einen an Seattle denken lassen. Die Heimatstadt des nun erstmals in Wien gastierenden Quintetts galt in den frühen 90er-Jahren als Epizentrum des Genres Grunge. Dessen Vertreter wie Tad oder Nirvana fanden im stadtansässigen Label Sub Pop ihre Heimat. Auf diesem veröffentlichten die Fleet Foxes heuer zwar ihr Debüt. Damit wären die Parallelen zu Grunge aber auch schon wieder erschöpft.

Musikalisch bewirtschaftet die vor zwei Jahren gegründete Band weniger grobe Äcker. Der Fünfer, der sich in der Tradition von Folk, Pop, Choralmusik oder barocker Psychedelik wähnt, wird eher im Umfeld des New Weird America angesiedelt oder über die kanadische Schule mit Bands wie etwa den Hidden Cameras rezipiert.

Als dominierendes Stilmittel wird dabei mit seufzenden Gruppengesängen geklotzt und nicht gekleckert. Wanderklampfen und vorsichtig angeschlagene Jazzgitarren verbrüdern sich mit Orgelakkorden und Flöten zu verführerischem Folk-Pop. Der klingt nicht verkopft, ist aber trotzdem sophisticated.

Assoziationen mit Filmmusiken sind erlaubt. Schließlich wird bei "White Winter Hymnal" unüberhörbar mit Ennio Morricone durch die Prärie geritten. Zwei PS Maximum! Angesichts großer Songs wie "Blue Ridge Mountains" und insgesamt 45 äußerst kurzweiliger Minuten eines der Alben des Jahres.

(Wiener Zeitung, 14.11.2008)

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