Seit Donnerstag lockt das Popfest Wien wieder auf den Karlsplatz.
„Susi, du kennst mi nimma? I bin der Peter von der Party in der, na, Dingsgassn. Ottakring, Prost!“ „Schurli, ruafst du jetzt bitte endlich dei Muata z’ruck?!“ „Und dann hat die Chefin g’sagt, aber sicher nicht am nächsten Montag! Und ich hab sie vorher schon g’fressn g’habt“.
Am Donnerstag erwies sich zwar der Wettergott als Freund und Helfer der heimischen Popmusik. Warum genau sich am Wiener Karlsplatz und in den umliegenden Spielstätten aber so viele Menschen tummelten, dass es kuschelig im Sinne von ungemütlich wurde? Dem Geschnatter des – Klappe! – gerne auch mit dem Rücken zur Bühne stehenden Publikums zufolge hatte es zumindest weniger mit der sogenannten Liebe zur Musik zu tun als damit, dass die die Vorzüge einer Gratisveranstaltung auskostende Soirée vor allem sich selbst und das Leben zu feiern gedachte: „Zack-zack. Voigas!“ Gegen den so entstandenen Lärmpegel mussten die Bands erst einmal anspielen.
Was war also gut am ersten Tag? Zunächst einmal, dass das Popfest wieder stattfand, sich die Veranstaltung nicht als das „Wahlkampfzuckerl“ der SPÖ erwies, das Spötter im Vorjahr vermuteten. Einzelne Kinderkrankheiten wurden auskuriert, die Bühne stand heuer erhöht und ermöglichte einen guten Blick auf das Geschehen. Das brut passte als erstmals genutzte Spielstätte mit seinem sinistren Käfig bestens zur experimentelleren Schiene, während das Wien Museum selbst von reduzierten Klängen akustisch überfordert war: So gehört etwa bei der zwischen Wien und New York pendelnden Experimental-Cellistin Meaghan Burke. Der Wechsel zwischen den Locations wiederum erforderte aufgrund langer Warteschlangen reichlich Geduld.
Das Konzertgeschehen blieb in seiner Gesamtheit durchwachsen, die Programmierung jedenfalls zeigte, löblich, eine große Stilpalette auf: Mika Vember brachte am Balkon des Wien Museum schlichten Folk-Pop dar. Skero lud gemeinsam mit der 11-köpfigen „Big-Band“ S.K. Invitational zur zwischen Hip-Hop, Reggae, Wienerlied und Funkytime gehaltenen Kabinenparty und sang dem Austragungsort ein kritisches Ständchen: „Heast, i glaub i werd varruckt in dera Stodt ...“
Zu den Aushängeschildern wie Gustav, die als Juwel im Line-up mit diskursaffinen Laptop-Kompositionen funkelte, gesellte sich mit broken.heart.collector und deren fahrigem, „Hören mit Schmerzen“ und Free-Jazz verbindenden Noise-Rock auch noch zu Entdeckendes: Man hätte nur hinhören müssen.
(Wiener Zeitung, 7./8.5.2011)
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