A Man Out Of Time: Elvis Costello gab einen
raren Solo-Gig im Wiener Konzerthaus
Bekannt wurde der
Mann, auf den ohne Zweifel einige der grässlichsten Album-Artworks aller Zeiten
zurückgehen, unter den Vorzeichen von Punk und New Wave. Dabei war bereits gegen
Ende der 70er-Jahre nur unschwer zu erkennen, dass es sich bei Elvis Costello
um einen Klassiker handeln musste. Unterhalb der an Buddy Holly erinnernden
Nerd-Brille trug der Sänger zum Anzug auch als Jungspund von 23 Jahren schon
immer auch die passende Krawatte. Von der Pseudonymwahl des 1954 als Declan Patrick
Aloysius MacManus geborenen Musikers einmal ganz abgesehen, die der Rockgeschichte
nichts weniger als den zweiten Elvis bescherte.
Musikalisch folgte nach
Wave-Hits wie „Pump It Up“, passend zum Fach um Dub und Reggae ergänzten Schlenzern
wie „Watching The Detectives“ und dem beseelten Songwriter-Pop von „High
Fidelity“ eine Karriere als großer Rock-’n’-Roll-Liedermacher, die bald bei Country, Folk und Blues andocken sollte –
mit dem Ergebnis, dass der Mann wahlweise als altmodisch oder zeitlos rezipiert
wurde: „Man Out Of Time“.
Die Ideenvielfalt der Songs war jedenfalls meist ebenso beeindruckend wie ihre stilistische Breite. Letztere gelangte im „Spätwerk“ des mittlerweile im fünften Jahrzehnt seiner Karriere angekommenen Soulbrothers zum (umstrittenen) Höhepunkt. Immerhin waren die Nullerjahre in Costellos Schaffen nicht nur von einer Rückkehr zum Rock ’n’ Roll geprägt. Neben dem Barhocker-Album „North“, das seiner Beziehung zu seiner heutigen Ehefrau, der kanadischen Soft-Jazz-Chanteuse Diana Krall, geschuldet war, sorgten auch Ballettmusiken oder Arbeiten mit der schwedischen Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter und, bereits 1998, dem Easy-Listening-Meister Burt Bacharach, unter Fans für Verstimmung. Mit seinem Album „National Ransom“, auf dem sich nun wieder Rock, Country und Folk die Hand reichen, gastierte Costello am Montag solo im Wiener Konzerthaus.
Die Ideenvielfalt der Songs war jedenfalls meist ebenso beeindruckend wie ihre stilistische Breite. Letztere gelangte im „Spätwerk“ des mittlerweile im fünften Jahrzehnt seiner Karriere angekommenen Soulbrothers zum (umstrittenen) Höhepunkt. Immerhin waren die Nullerjahre in Costellos Schaffen nicht nur von einer Rückkehr zum Rock ’n’ Roll geprägt. Neben dem Barhocker-Album „North“, das seiner Beziehung zu seiner heutigen Ehefrau, der kanadischen Soft-Jazz-Chanteuse Diana Krall, geschuldet war, sorgten auch Ballettmusiken oder Arbeiten mit der schwedischen Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter und, bereits 1998, dem Easy-Listening-Meister Burt Bacharach, unter Fans für Verstimmung. Mit seinem Album „National Ransom“, auf dem sich nun wieder Rock, Country und Folk die Hand reichen, gastierte Costello am Montag solo im Wiener Konzerthaus.
Homogene Reduktionen
Dabei gab es aus dem aktuellen Werk zwar nur Auszüge, wie
etwa den angejazzten Folk von „A Slow Drag With Josephine“, zu dem der 57-Jährige
unmikrofoniert von der Bühne pfiff. Im Vordergrund allerdings standen die
frühen Songs, die der Songwriter emphatisch, mit begnadeter Stimme und allein
an einer seiner fünf akustischen Gitarren mit reichlich Mut zur Lücke darbot – das
Publikum durfte sich das auf Platte stets punktgenau arrangierte Liedgut selbst
ausmalen. Das war im Vortrag sympathisch, über weitere Strecken aber auch zu homogen.
Vor allem Hits wie „Veronica“, das besagte „Watching The Detectives“, „Alison“
oder mit „Radio Sweetheart“ die erste je von Costello aufgenommene Nummer wären
mit Band doch zwingender gewesen.
Mit einem Hut, der
auch Elton John oder Queen Mum zur Ehre gereicht hätte, gab ein Kaugummi
kauender Costello als wunderlicher Onkel den Woody-Allen-Filmintro-Jazz von „A
Voice In The Dark“, schaute mit „She“ bei Charles Aznavour und Herbert Kretzmer vorbei, um nur selten scharf abzubiegen.
So geschehen etwa bei einer leidenschaftlichen Version von „I Want You“, das, plötzlich
mit E-Gitarre, in psychedelische Echos ausuferte, oder bei „National Ransom“
mit Megafon, übersteuerten Beats und Dosentrompeten.
Gegen Ende flossen Rotz und Wasser, als Costello den tragödischen
Göttersong „Shipbuilding“ intonierte und das für traurige Barhocker geschriebene
„Almost Blue“ am Flügel anstimmte. Sich einig verließ man den Saal: Eine baldige
Rückkehr mit Band ist dennoch vonnöten.
(Wiener Zeitung, 2.11.2011)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen