Mittwoch, Juni 20, 2012

Neneh Cherrys Comeback im Geschwurbel

Neneh Cherry & The Thing: The Cherry Thing (Smalltown Supersound)

Dafür, dass Neneh Cherry in den 90er-Jahren sehr erfolgreich gewesen sein muss, spricht ihr Hang zur ausgedehnten kreativen Pause ebenso wie nun auch ihr erstes Album unter eigenem Namen seit 1996: Auf „The Cherry Thing“ (Smalltown Supersound) kann es sich die 48-jährige Sängerin leisten, mit dem schwedischen Trio The Thing weit abseits des Mainstreams in Free-Jazz-Gefilde vorzustoßen. 

Damit erinnert Cherry an ihre Ursprünge im Underground  – immerhin sang die Frau vor ihrem Durchbruch mit dem Dance, Pop und Hip-Hop vereinenden Debüt „Raw Like Sushi“, das bald als Trip-Hop-Prophezeiung gedeutet wurde, kurz bei den Slits. Und sie prägte vor allem auch die Arbeiten von Adrian Sherwood mit seinen New Age Steppers oder die globalisierte, funky Post-Punk- Fusion von Rip Rig + Panic mit ihrer Stimme.
 
Neue Akzente

Nach „Buffalo Stance“ als erstem Hit im Jahre 1988 und trotz bis heute im Radio präsenter Statements wie „Manchild“, „Woman“ oder „7 Seconds“ (mit Youssou N'Dour) entschied sich die gebürtige Schwedin aber acht Jahre später, ihrer Familie fortan mehr Zeit zu widmen. Es folgten lose Gastauftritte bei befreundeten Künstlern, ehe sie 2006 mit den zwischen elektronisch unterfüttertem Neo-Soul, Dub und Pop pendelnden Alben ihres Projektes CirKus zurückkehrte.

Unterstützt von The Thing, die den Sound zur Zeit mit geschwurbeltem Schlagzeug und uns schwindelig spielendem Saxofon hörbar auf Free-Jazz stellen, interpretiert Cherry nun Songs von Ornette Coleman, Martina Topley-Bird oder ihrem Stiefvater Don. Und sie bringt mit „Dirt“ von den Stooges und „Dream Baby Dream“ von Suicide zwei Klassiker mit neuen Akzenten, aber grundsätzlich werkgetreu zu Gehör. Der Spaß an diesem Herzprojekt  ist allen Beteiligten anzuhören: Live am 1. Juli ab 21 Uhr im Wiener Porgy & Bess.

(Wiener Zeitung, 21.6.2012)

Keine Kommentare: