Neneh Cherry & The
Thing: The Cherry Thing (Smalltown Supersound)
Dafür, dass Neneh Cherry in den
90er-Jahren sehr erfolgreich gewesen sein muss, spricht ihr Hang zur
ausgedehnten kreativen Pause ebenso wie nun auch ihr erstes Album unter eigenem
Namen seit 1996: Auf „The Cherry Thing“ (Smalltown Supersound) kann es sich die
48-jährige Sängerin leisten, mit dem schwedischen Trio The Thing weit abseits
des Mainstreams in Free-Jazz-Gefilde vorzustoßen.
Damit erinnert Cherry an ihre
Ursprünge im Underground – immerhin sang die Frau vor ihrem Durchbruch
mit dem Dance, Pop und Hip-Hop vereinenden Debüt „Raw Like Sushi“, das bald als
Trip-Hop-Prophezeiung gedeutet wurde, kurz bei den Slits. Und sie prägte vor
allem auch die Arbeiten von Adrian Sherwood mit seinen New Age Steppers oder
die globalisierte, funky Post-Punk- Fusion von Rip Rig + Panic mit ihrer
Stimme.
Neue Akzente
Nach „Buffalo Stance“ als erstem
Hit im Jahre 1988 und trotz bis heute im Radio präsenter Statements wie
„Manchild“, „Woman“ oder „7 Seconds“ (mit Youssou N'Dour) entschied sich die
gebürtige Schwedin aber acht Jahre später, ihrer Familie fortan mehr Zeit zu widmen.
Es folgten lose Gastauftritte bei befreundeten Künstlern, ehe sie 2006 mit den
zwischen elektronisch unterfüttertem Neo-Soul, Dub und Pop pendelnden Alben
ihres Projektes CirKus zurückkehrte.
Unterstützt von The Thing, die den Sound zur Zeit mit geschwurbeltem
Schlagzeug und uns schwindelig spielendem Saxofon hörbar auf Free-Jazz stellen,
interpretiert Cherry nun Songs von Ornette Coleman, Martina Topley-Bird oder
ihrem Stiefvater Don. Und sie bringt mit „Dirt“ von den Stooges und „Dream Baby
Dream“ von Suicide zwei Klassiker mit neuen Akzenten, aber grundsätzlich werkgetreu zu Gehör. Der
Spaß an diesem Herzprojekt ist allen Beteiligten anzuhören: Live am 1.
Juli ab 21 Uhr im Wiener Porgy & Bess.
(Wiener Zeitung, 21.6.2012)

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