Mit „In Our Heads“
veröffentlichen Hot Chip ihr fünftes Album.
Hoch anzurechnen ist
dieser Band nicht nur die Befreiung des Anything-Goes-Gedanken vom Vorwurf der
postmodernen Beliebigkeit: Auch, wenn Hot Chip die Toleranz der stilbewussten Hörerschaft
mit dem einen oder anderen Käsesound bisweilen strapazieren, wird hier auf eine
Art und Weise zitiert und neu eingebettet, dass kein Zweifel an der Richtigkeit
des Unterfangens besteht. Ohne ironische Wirkungsabsicht gefällt vor allem auch
das Bekenntnis Hot Chips zu Pop in all seiner Vielfalt. Gerne im Grenzbereich
von Song und Track angesiedelt, kommt die Musik der aus London stammenden Band
als aromatischer Eintopf mit allem und scharf daher.
Spinnerte Ohrwürmer
Spinnerte Ohrwürmer
Auf ihrem mittlerweile fünften
und mit Mark Ralph betont zügig eingespielten Album „In Our Heads“ (Domino
Records) ist das Rezept nun soweit erprobt, dass keine weitere Hauptzutat mehr
eingebracht werden muss. Diesem Umstand und auch dem Hang der Songs zum
unbedingten Ohrwurm zum Trotz, kann man dabei aber auch nach mehreren
Hördurchgängen noch neue Nuancen entdecken.
Nach dem vor zwei Jahren etwas
gesetzter ausgefallenen „One Life Stand“ darf sich Joe Goddard nun wieder
rhythmisch austoben, wobei nicht nur mit Housebeats verstärkt in den Club
gedrängt wird. Weite Strecken des Albums sind zudem als Hommage an den
Dance-Pop hörbar, wie etwa das zum Auftakt als Fanfare gehaltene und hörbar von
den Pet Shop Boys beeinflusste „Motion Sickness“ oder „Don’t Deny Your Heart“
erklären, bei dem der junge Prince (circa anno 1979!) auf den weißen Funk der
Talking Heads trifft.
Neben gewohnt spinnerten Songs
im Zeichen des Alleinstellungsmerkmales („Night & Day“) runden von
Alexis Taylor mit zartem Diskant vorgetragener Soul („Always Been Your Love“)
und R&B („Look At Where We Are“) das Ergebnis ab: Wunderbar und leicht
bekömmlich!
Hot Chip: In Our Heads
(Domino Records)
(Wiener Zeitung, 14.6.2012)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen