Donnerstag, Juni 14, 2012

Pop hoch drei als zarteste Versuchung

Mit „In Our Heads“ veröffentlichen Hot Chip ihr fünftes Album.

Hoch anzurechnen ist dieser Band nicht nur die Befreiung des Anything-Goes-Gedanken vom Vorwurf der postmodernen Beliebigkeit: Auch, wenn Hot Chip die Toleranz der stilbewussten Hörerschaft mit dem einen oder anderen Käsesound bisweilen strapazieren, wird hier auf eine Art und Weise zitiert und neu eingebettet, dass kein Zweifel an der Richtigkeit des Unterfangens besteht. Ohne ironische Wirkungsabsicht gefällt vor allem auch das Bekenntnis Hot Chips zu Pop in all seiner Vielfalt. Gerne im Grenzbereich von Song und Track angesiedelt, kommt die Musik der aus London stammenden Band als aromatischer Eintopf mit allem und scharf daher.

Spinnerte Ohrwürmer

Auf ihrem mittlerweile fünften und mit Mark Ralph betont zügig eingespielten Album „In Our Heads“ (Domino Records) ist das Rezept nun soweit erprobt, dass keine weitere Hauptzutat mehr eingebracht werden muss. Diesem Umstand und auch dem Hang der Songs zum unbedingten Ohrwurm zum Trotz, kann man dabei aber auch nach mehreren Hördurchgängen noch neue Nuancen entdecken.
Nach dem vor zwei Jahren etwas gesetzter ausgefallenen „One Life Stand“ darf sich Joe Goddard nun wieder rhythmisch austoben, wobei nicht nur mit Housebeats verstärkt in den Club gedrängt wird. Weite Strecken des Albums sind zudem als Hommage an den Dance-Pop hörbar, wie etwa das zum Auftakt als Fanfare gehaltene und hörbar von den Pet Shop Boys beeinflusste „Motion Sickness“ oder „Don’t Deny Your Heart“ erklären, bei dem der junge Prince (circa anno 1979!) auf den weißen Funk der Talking Heads trifft.

Neben gewohnt spinnerten Songs im Zeichen des Alleinstellungsmerkmales („Night & Day“) runden von Alexis Taylor mit zartem Diskant vorgetragener Soul („Always Been Your Love“) und R&B („Look At Where We Are“) das Ergebnis ab: Wunderbar und leicht bekömmlich!  

Hot Chip: In Our Heads (Domino Records)

(Wiener Zeitung, 14.6.2012)

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