Ozzy Osbourne zelebriert auf seinem neuen Album „Patient Number 9“ wieder die Hinfälligkeit.
Vielleicht muss man kurz daran erinnern, dass der Mann gerne als „Prince of Darkness“ bezeichnet wird. Immerhin befand sich ausgerechnet Ozzy Osbourne unter den Ersten, die ihre Trauer über den Tod der Queen auf Twitter zum Ausdruck brachten: „I mourn with my country the passing of our greatest Queen“, hieß es da. Und: „With a heavy heart I say it is devastating the thought of England without Queen Elizabeth II.“
Ozzy Osbourne befindet sich gerade auf dem Weg nach Hause. Der mit seinen 73 Jahren, bekanntlich aber auch schon sehr lange davor schwer vom Leben gezeichnete Sänger kündigte erst vor wenigen Wochen an, mit seiner Familie von Los Angeles zurück nach Buckinghamshire zu übersiedeln, was mit dem Satz „Ich will nicht in Amerika sterben“ vielleicht unter US-Fledermäusen und -Tauben für Erleichterung sorgte, in Fankreisen allerdings Angst und Schrecken umgehen ließ.
Revival in Serie
Eigentlich hätte man sich die Zeit nach der immer wahrscheinlicher werdenden Zombie-Apokalypse ja so vorgestellt, dass zumindest Ozzy Osbourne und Iggy Pop noch irgendwo in der Wüste herumstehen, um dort ein Konzert zu geben, bei dem dann auch Keith Richards vorbeischaut und fragt, ob jemand Feuer hat. Come on, motherfuckers! Vielleicht sollte man sich langsam aber doch daran gewöhnen, dass alles, also wirklich alles einmal ein Ende nimmt und selbst die ewigen Untoten aus dem irdischen Höllenfeuer des Rock ’n’ Roll einmal zum Teufel gehen werden.
Aber kleiner Scherz. Ozzy Osbourne und vor allem seine ihn managende Geschäfts- und Ehefrau Sharon sind ja auch nicht ganz deppert. Sie haben bereits einen Exklusivvertrag mit der BBC in der Tasche, die den Umzug medienpartnerschaftlich begleiten und somit für ein Revival im Stil der TV-Erfolgsserie „The Osbournes“ aus den Jahren 2002 bis 2005 sorgen wird. Ein kleines zusätzliches Taschengeld schadet schließlich auch unter zahlungskräftigen Hardrockveteranen nicht. Vielleicht geht das zukünftige Ex-Anwesen in Kalifornien ja doch nicht um den derzeit veranschlagten Verkaufspreis von 18 Millionen US-Dollar über die Budl.
Auf seinem nun vorliegenden und diesmal doppelt unheilvollen, weil sicherlich nicht 666., aber wenigstens 13. Soloalbum „Patient Number 9“ (Sony Music) zelebriert Ozzy Osbourne jetzt zwar einmal mehr die eigene Hinfälligkeit. Lang lebe der Tod! Er klingt bei diesem rund einstündigen musikalischen Heidenspaß allerdings nicht nur mitunter teuflisch froh und höllisch happy. Nein, Ozzy Osbourne hört sich Songtiteln wie „Dead And Gone“ zum Trotz auch nach wie vor quicklebendig an.
Zumindest die ersten auf dem Album gehörten Textzeilen sind übrigens nicht autobiografisch gemeint: „Is there a way out of here? I wanna go home, mommy!“ Mit dem als branchenübliches Gruselstück arrangierten Titelsong zum Auftakt, einem epischen Hardrock-Ziegel ohne Anstand und Genierer, schlüpft Ozzy Osbourne nur schnell in die Rolle eines Psychiatrie-Patienten, der seine Medikamente nicht nehmen will. Dämonisches Gelächter, verdrehte Augen und Schaum vor dem Mund inklusive. Hallo!? Im Puiverl ist der Teifl drin!
Der monumentale Song steht durchaus stellvertretend für den Rest des Albums. Produzent Andrew Watt hat einen Allstar-Cast zusammengetrommelt, der die Stücke nach allen Regeln und Klischees der Kunst nach Hause rockt. Neben Altspatzen wie Jeff Beck, Problembären wie Eric Clapton, Mike McCready von Pearl Jam, Josh Homme von den Queens Of The Stone Age, Duff McKagan von Guns N’ Roses, Metallica-Mann Robert Trujillo oder dem zuletzt verstorbenen Drummer der Foo Fighters, Taylor Hawkins, kommt es dabei auch zu einer unerwarteten Wiedervereinigung.
Kreiiiiiisch!
Gemeinsam mit Tony Iommi, Ozzy Osbournes ehemaligem Bandkumpanen aus alten Zeiten mit Black Sabbath, werden bei mächtigen Songs wie „No Escape From Now“ oder dem als Loblied auf Erwachsenenfilme aus dem Internet heruntergenudelten „Degradation Rules“ keine Gefangenen gemacht.
Andrew Watt (Jahrgang 1990) hat auf Bruno Kreisky gehört und Geschichte gelernt. Auch Originaleffekte unter psychedelischen Vorzeichen (vgl. „Planet Caravan“, 1970) sind zu vernehmen. Ozzy Osbourne selbst greift zur Mundharmonika, spielt darauf das Lied vom Tod und fräst mit seiner auch dank moderner Studiotechnik nach wie vor kräftig klingenden Schneidbrennerstimme den einen oder anderen Klagelaut durch massive Riffblöcke und sehr viele sehr lange Schwurbelsolos. Kreiiiiiisch!
In den (Power-)Balladen des Albums bleibt zwischendurch aber auch genug Zeit, um nachdenklich zu werden. „The past is dead, the future’s haunted / What happened to today?“ Ja, was? Das weiß der Teufel.
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