Wenn Madonna etwas macht, dann macht sie es vielleicht nicht immer richtig. Sie macht es aber bestimmt ordentlich und gründlich. Das war so, das ist so, das muss so sein.
Immerhin handelt es sich bei der 1958 im US-Staat Michigan als Madonna Louise Ciccone geborenen Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin, Kinderbuchautorin, vor allem aber Entertainerin und millionenschweren Trademark ihrer selbst um nichts weniger als die Queen Of Pop. Dieser Titel gebührt ihr spätestens seit ihrem Durchbruch mit dem Album "Like A Virgin" (1984) und Folgehits wie "Material Girl" oder "Into The Groove". Und immerhin eilte der heute 50-Jährigen von jeher der Ruf voraus, auch der Selbstbestätigung ihres gut, möglicherweise zu gut im Saft stehenden Egos wegen verbissen, verbohrt an einer Weltkarriere zu arbeiten, denn: Von nichts kommt nichts! Dieses Motto wird konsequent weitergeführt, wenn Madonna ihren Tourtross über den Globus schleift. Die Frau – die Ikone, der Star! – gibt keine Konzerte, sie gibt Shows. Sie gibt nicht alles, sie gibt mehr. Ein Superlativ ist letztlich nur, was von Madonna Zeit ihrer Karriere noch nicht überhöht wurde. There's no business like show business.
Bei Madonnas erstem Österreich-Konzert werden den gut 50.000 Besuchern auf der Wiener Donauinsel, neben eingestreuten Hits, vor allem Auszüge aus dem aktuellen Album "Hard Candy" geboten.
Heitere Nabelschau
Auf dieser CD hinkt die gerne als Trendsetterin bezeichnete Sängerin durch die berechnende Einbeziehung des US-Starproduzenten Timbaland und dessen Amalgam aus preschenden Hip-Hop- und RnB-Beats und der nötigen Prise Pop dem Zeitgeist jedoch behäbig hinterher. Missy Elliott, Nelly Furtado, Björk, sogar Duran Duran waren schneller.
Vor allem aber wird das Publikum Zeuge einer gehörigen Nabelschau, eines narzisstischen Tanzes durch strahlende Spiegelkammern. Gleich eingangs wird klargestellt, mit wem wir es zu tun haben: Madonna singt "Candyshop" vom Thron herab und lässt sich von einem den Lakaien gebenden Tanzmann die Stiefel putzen. Auf den Videowalls spielen krochabunte Visuals mit Keith Haring Rambazamba, wir sehen aber auch hier eines: Madonna als zwischen Unschuldslamm und frechem Gör changierendes New-Wave-Springinkerl, Madonna als Femme Fatale in Latex und Leder Anfang der 90er Jahre, Madonna als spirituelle Eso-Tante, Madonna als super trouper Disco-Queen. Stationen einer Karriere als großes Ich-bin-ich. Das von Kostümwechseln in vier Teile aufgespaltete Konzert bleibt musikalisch aber halbgar.
Zum einen liegt es daran, dass Madonna etwa mit der Schmalzballade "You Must Love Me" aus ihrer Musicalphase mit Evita und aktuellen Missverständnissen wie dem samt Steppeinlage dargebrachten "Spanish Lesson" wenig zwingende Songs vorführt. Zum anderen werden alte Klassiker in teils einfältigen Neuadaptionen recht lieblos behandelt. Wir hören "Like A Prayer" in einer Eurodance-Trash-Version, ein weicheres, also weniger druckvolles "Music" oder "Borderline", das sich sogar über feiste, in Richtung Stadionrock schielende Riffs traut. Ein Bratlgeiger hilft mit seinem sympathischen Gipsy-Trupp vom Balkan drunten schließlich bei "La Isla Bonita" aus.
Auf der Videowall bittet Justin Timberlake zur Ménage-à-deux für schlappe "4 Minutes". Dessen Bläsersamples führten zuvor schon durch "Vogue". Auch Britney Spears schaut via Video vorbei! Da sage noch einer, Madonnas Gitarrenspiel – Himmel, hilf! – wäre das Verzichtbarste an diesem Abend gewesen.
(Wiener Zeitung, 25.9.2008)
Immerhin handelt es sich bei der 1958 im US-Staat Michigan als Madonna Louise Ciccone geborenen Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin, Kinderbuchautorin, vor allem aber Entertainerin und millionenschweren Trademark ihrer selbst um nichts weniger als die Queen Of Pop. Dieser Titel gebührt ihr spätestens seit ihrem Durchbruch mit dem Album "Like A Virgin" (1984) und Folgehits wie "Material Girl" oder "Into The Groove". Und immerhin eilte der heute 50-Jährigen von jeher der Ruf voraus, auch der Selbstbestätigung ihres gut, möglicherweise zu gut im Saft stehenden Egos wegen verbissen, verbohrt an einer Weltkarriere zu arbeiten, denn: Von nichts kommt nichts! Dieses Motto wird konsequent weitergeführt, wenn Madonna ihren Tourtross über den Globus schleift. Die Frau – die Ikone, der Star! – gibt keine Konzerte, sie gibt Shows. Sie gibt nicht alles, sie gibt mehr. Ein Superlativ ist letztlich nur, was von Madonna Zeit ihrer Karriere noch nicht überhöht wurde. There's no business like show business.
Bei Madonnas erstem Österreich-Konzert werden den gut 50.000 Besuchern auf der Wiener Donauinsel, neben eingestreuten Hits, vor allem Auszüge aus dem aktuellen Album "Hard Candy" geboten.
Heitere Nabelschau
Auf dieser CD hinkt die gerne als Trendsetterin bezeichnete Sängerin durch die berechnende Einbeziehung des US-Starproduzenten Timbaland und dessen Amalgam aus preschenden Hip-Hop- und RnB-Beats und der nötigen Prise Pop dem Zeitgeist jedoch behäbig hinterher. Missy Elliott, Nelly Furtado, Björk, sogar Duran Duran waren schneller.
Vor allem aber wird das Publikum Zeuge einer gehörigen Nabelschau, eines narzisstischen Tanzes durch strahlende Spiegelkammern. Gleich eingangs wird klargestellt, mit wem wir es zu tun haben: Madonna singt "Candyshop" vom Thron herab und lässt sich von einem den Lakaien gebenden Tanzmann die Stiefel putzen. Auf den Videowalls spielen krochabunte Visuals mit Keith Haring Rambazamba, wir sehen aber auch hier eines: Madonna als zwischen Unschuldslamm und frechem Gör changierendes New-Wave-Springinkerl, Madonna als Femme Fatale in Latex und Leder Anfang der 90er Jahre, Madonna als spirituelle Eso-Tante, Madonna als super trouper Disco-Queen. Stationen einer Karriere als großes Ich-bin-ich. Das von Kostümwechseln in vier Teile aufgespaltete Konzert bleibt musikalisch aber halbgar.
Zum einen liegt es daran, dass Madonna etwa mit der Schmalzballade "You Must Love Me" aus ihrer Musicalphase mit Evita und aktuellen Missverständnissen wie dem samt Steppeinlage dargebrachten "Spanish Lesson" wenig zwingende Songs vorführt. Zum anderen werden alte Klassiker in teils einfältigen Neuadaptionen recht lieblos behandelt. Wir hören "Like A Prayer" in einer Eurodance-Trash-Version, ein weicheres, also weniger druckvolles "Music" oder "Borderline", das sich sogar über feiste, in Richtung Stadionrock schielende Riffs traut. Ein Bratlgeiger hilft mit seinem sympathischen Gipsy-Trupp vom Balkan drunten schließlich bei "La Isla Bonita" aus.
Auf der Videowall bittet Justin Timberlake zur Ménage-à-deux für schlappe "4 Minutes". Dessen Bläsersamples führten zuvor schon durch "Vogue". Auch Britney Spears schaut via Video vorbei! Da sage noch einer, Madonnas Gitarrenspiel – Himmel, hilf! – wäre das Verzichtbarste an diesem Abend gewesen.
(Wiener Zeitung, 25.9.2008)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen