Montag, Dezember 08, 2008

Der Klang zersägter Herzen

Wie er es mit den Erinnerungen hält, erklärt Stuart A. Staples so: "I keep them away from me. They won’t be what I want them to be.

Das ist nur richtig, immerhin changiert der 43-Jährige, dessen Bariton an Leidgenossen wie Ian Curtis oder Nick Cave erinnert, mit seiner Lonely Hearts Club Band "Tindersticks" zwischen sanfter Melancholie und schwerer Depression. Das Leben ist so einfach nicht. Probleme können, dürfen, müssen daher auch über das Vergessen bewältigt werden.

Den Herzschmerz alter Männer überführen die Tindersticks seit 1992 und aktuell mit ihrem siebten Album "The Hungry Saw", auf dessen programmatischem Cover sich eine Säge tief ins Innere eines Herzen schneidet, in nahe am Soul für einsame Barhocker gebaute Balladen.

Auch live, wie am Donnerstag in der gut gefüllten Arena, vertraut man auf ein zurückgenommenes Klangbild zwischen Beserlschlagzeug, verhuschten Jazzgitarren, Klavier und Fender Rhodes. Unterstützt wird die nunmehr als Trio aktive Band von Saxofon, Trompete und Cello, deren in Moll gehaltene Arrangements den Griff zum Taschentuch bedingen: So schön, so heul!

Als Dandys im Sonntagsanzug präsentieren Staples und Konsorten neue Lieder wie das elegische "Come Feel The Sun" oder das latent zuversichtliche "The Flicker Of A Little Girl". Und sie verhelfen alten Hadern wie dem mexikanischen Gringoblues "Her" oder dem zerrütteten "Drunk Tank" live zu neuem Glanz.

Liebe ist kälter als der Tod? Ja, natürlich. Allerdings: Welches Dilemma könnte je schönere Lieder zeitigen?
(Wiener Zeitung)

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