Am Mittwoch nahm Thomas Gottschalk wieder einmal Abschied vom Publikum
Hoch die intermediale Solidarität! Denn warum soll nicht auch in der Zeitung
einmal etwas Positives zu lesen sein über „Gottschalk Live“ und somit jenes
quotenschwache ARD-Format, über das es zu notieren gibt, dass selbst seine
Absetzung vorzeitig abgesetzt wurde?
Immerhin geriet die
aus Gründen der EM-Vorberichterstattung kurzfristig auf Mittwochabend
vorverlegte Abschiedssendung Gottschalks, löblich, zur Soliparty. Umzingelt von
einem betont jungen und auffällig emphatisch klatschenden Publikum, war nicht
nur dem Moderator Verbundenheit sicher. Nachdem die Verhältnisse so
wiederhergestellt waren („Sehen Sie mal – es geht doch!“), legte Gottschalk den
letzten Akt als Rührstück an. Und er erklärte mit Rückblenden auf jene
„Spätphase“, in der die Sendung nicht mehr als krudes Talk-und-Dings-Format,
sondern als Spendenlukrierungshilfe geführt wurde, den wahren Sinn des Scheiterns:
Wer „Schwamm drüber“ sagt, kann doch noch Gutes leisten.
Geholfen wurde etwa
Müttern schwerbehinderter Kinder, einer jungen Frau, deren OP die Krankenkasse
nicht übernehmen will, oder der über die Kirchensteuer scheinbar nicht
hinreichend unterstützten Elisabethstift-Schule Berlin.
Mit der dabei verwendeten,
pathosgetränkten Musikbegleitung war es bei Gottschalks unprätentiöser
Verabschiedung (und somit anders als bei „Wetten, dass..?“) aber vorbei. Nur
böse Zungen würden seine letzten Worte als Drohung verstehen: „Sie werden noch
von mir hören!“
(Wiener Zeitung, 8.6.2012)

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