Donnerstag, Juni 07, 2012

Die Soliparty

Am Mittwoch nahm Thomas Gottschalk wieder einmal Abschied vom Publikum 

Hoch die intermediale Solidarität! Denn warum soll nicht auch in der Zeitung einmal etwas Positives zu lesen sein über „Gottschalk Live“ und somit jenes quotenschwache ARD-Format, über das es zu notieren gibt, dass selbst seine Absetzung vorzeitig abgesetzt wurde?

Immerhin geriet die aus Gründen der EM-Vorberichterstattung kurzfristig auf Mittwochabend vorverlegte Abschiedssendung Gottschalks, löblich, zur Soliparty. Umzingelt von einem betont jungen und auffällig emphatisch klatschenden Publikum, war nicht nur dem Moderator Verbundenheit sicher. Nachdem die Verhältnisse so wiederhergestellt waren („Sehen Sie mal – es geht doch!“), legte Gottschalk den letzten Akt als Rührstück an. Und er erklärte mit Rückblenden auf jene „Spätphase“, in der die Sendung nicht mehr als krudes Talk-und-Dings-Format, sondern als Spendenlukrierungshilfe geführt wurde, den wahren Sinn des Scheiterns: Wer „Schwamm drüber“ sagt, kann doch noch Gutes leisten.

Geholfen wurde etwa Müttern schwerbehinderter Kinder, einer jungen Frau, deren OP die Krankenkasse nicht übernehmen will, oder der über die Kirchensteuer scheinbar nicht hinreichend unterstützten Elisabethstift-Schule Berlin.

Mit der dabei verwendeten, pathosgetränkten Musikbegleitung war es bei Gottschalks unprätentiöser Verabschiedung (und somit anders als bei „Wetten, dass..?“) aber vorbei. Nur böse Zungen würden seine letzten Worte als Drohung verstehen: „Sie werden noch von mir hören!“

(Wiener Zeitung, 8.6.2012)

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