Das Album beginnt beiläufig und
fast wie eine Jam-Session in der Garage: Raue Gitarren, schepperndes Schlagzeug
und mit Ausrufezeichen versehene Gruppengesänge im Zeichen eines hübschen
Altherrenrock lassen keine Zweifel daran, dass sich Neil Young für sein nun
vorliegendes Album „Americana“ wieder auf die Kollegen von Crazy Horse
eingelassen hat. Anstatt mit seiner dienstalten Begleitband neue Songs
einzuspielen, beschränkte sich der heute 66-Jährige mit der Interpretation
wohlbekannter Folk-Klassiker aber auf ein Loblied der Archaik.
Landesvermessung
Während Young seine Fans einst
mit patriotischen Pro-Reagan-Statements vor den Kopf stieß, auf dem
Protestalbum „Living With War“ 2006 aber die Absetzung George W. Bushs
forderte, hält sich der Mann mit der brüchigen Stimme aktuell mit Kommentaren
zurück. Seine zwischen Hippieträumen und einem nüchternen Blick auf die
Realität changierende Weltsicht spiegelt sich in den Songs freilich wider:
„This Land Is Your Land“, Woody Guthries Ode an ein Land der unbegrenzten
Möglichkeiten, passt zu Youngs Topoi ebenso wie das die ewigen Themen Liebe und
Tod verhandelnde „Clementine“, das nicht als einziges Lied dieses Albums noch
im 19. Jahrhundert wurzelt. Vor allem werden die USA aber musikalisch vermessen
– Country aus dem Hinterland („Travel On“) steht ebenso auf der Agenda wie
schwarzer Doo-Wop („Get A Job“), der aus den Kehlen von Crazy Horse allerdings
etwas skurril anmutet.
Das Booklet informiert über die
Geschichte der Songs und erlaubt sich bei der letzten Nummer den Schmäh, Youngs
buchstäbliche Interpretation vor dem Hintergrund des amerikanischen
Unabhängigkeitskrieges und der Wandlung des Landes zur Freiheit zu erklären:
Sie heißt „God Save The Queen“ und kommt pünktlich zum 60. Thronjubiläum von
Queen Elizabeth II.
(Wiener Zeitung, 5.6.2012)

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