Samstag, Juni 02, 2012

Lernen fürs Leben

Donnerstag, 31. Mai, 19:50 Uhr: Das Leben ist hart, die Tage sind lang. Mehr als etwas Ruhe ist vom Resttag nicht zu erwarten. Müdigkeit macht sich breit … Doch plötzlich! „Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit! Wir sehen erst den Abendgruß, ehe jedes Kind ins Bettchen muss. Du hast gewiss noch Zeit!“
 
Wie das Sandmännchen auf KiKA bereits mit der Signation belegte, dürfte man selbst schon zum alten Eisen gehören. Das Vorrecht, durch keine (Nachrichten-)Sendung der Welt mehr vom Leben verunsichert zu werden, sieht gegen das Feuer der Jüngsten, dem Schlummerland über die Neugierde auszukommen, doch etwas alt aus. An dieser Stelle ein Funkspruch ins Jenseits: Großvater, i möcht dir so viel sag'n, was i erst jetzt versteh'!

Das Sandmännchen jedenfalls erzählte die Kulturgeschichte der friedvollen Freundschaft politisch durchaus inkorrekt, da, wie einst bei Alfred Hitchcock, mit einer Frau, die das Unheil vorantrieb: Weil Schmetterling Friederike sich hübsch machen wollte und dabei die Bürste auf den Bachgrund gleiten ließ, durften sich Freund Käfer und Kumpan Ameise beim Tauchgang zum Affen machen. 

Für alle Nichtschwimmer, deren Frau demnächst in Caorle den Kajalstift versenkt, lieferte das Sandmännchen mit einer schlauen Apparatur zum Unterwasserspaziergang schon jetzt den willkommenen Rettungsanker. Als Belohnung gibt es bestimmt auch ein Bussi. Nicht auszudenken, wenn man doch schon geschlafen hätte!

(Wiener Zeitung, 2./3.6.2012)

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