Donnerstag, 31. Mai, 19:50 Uhr:
Das Leben ist hart, die Tage sind lang. Mehr als etwas Ruhe ist vom Resttag
nicht zu erwarten. Müdigkeit macht sich breit … Doch plötzlich! „Sandmann,
lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit! Wir sehen erst den Abendgruß, ehe
jedes Kind ins Bettchen muss. Du hast gewiss noch Zeit!“
Wie das Sandmännchen auf KiKA
bereits mit der Signation belegte, dürfte man selbst schon zum alten Eisen
gehören. Das Vorrecht, durch keine (Nachrichten-)Sendung der Welt mehr vom
Leben verunsichert zu werden, sieht gegen das Feuer der Jüngsten, dem Schlummerland
über die Neugierde auszukommen, doch etwas alt aus. An dieser Stelle ein
Funkspruch ins Jenseits: Großvater, i möcht dir so viel sag'n, was i erst jetzt
versteh'!
Das Sandmännchen jedenfalls
erzählte die Kulturgeschichte der friedvollen Freundschaft politisch durchaus
inkorrekt, da, wie einst bei Alfred Hitchcock, mit einer Frau, die das Unheil
vorantrieb: Weil Schmetterling Friederike sich hübsch machen wollte und dabei
die Bürste auf den Bachgrund gleiten ließ, durften sich Freund Käfer und Kumpan
Ameise beim Tauchgang zum Affen machen.
Für alle Nichtschwimmer, deren
Frau demnächst in Caorle den Kajalstift versenkt, lieferte das Sandmännchen mit
einer schlauen Apparatur zum Unterwasserspaziergang schon jetzt den
willkommenen Rettungsanker. Als Belohnung gibt es bestimmt auch ein Bussi.
Nicht auszudenken, wenn man doch schon geschlafen hätte!
(Wiener Zeitung, 2./3.6.2012)

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